Bestandsaufnahme und Perspektiven von Unterstützungssystemen ganztägiger Bildung

Der Anspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung soll bis 2029 flächendeckend greifen. Doch wer sorgt wie für die qualitative Gestaltung? In der Praxis gibt es eine Reihe verschiedener Akteur:innen, die Ganztagseinrichtungen mit vielfältigen Angeboten in ihrer Qualitätsentwicklung unterstützen. Um systematisches Wissen über die Unterstützungssysteme in den 16 deutschen Bundesländern zu erhalten, führt das Institut Welt:Stadt:Quartier gemeinsam mit dem sozialen Netzwerk edusiia eine entsprechende Studie durch.

Jemand baut aus Pappe und Holz das Modell einer Lernumgebung
DKJS/Claudia Bull

Blick auf bisher wenig untersuchte Strukturen

Die Studie „Unterstützungssysteme ganztägiger Bildung und Betreuung für Kinder im Grundschulalter“ verortet sich vor dem Hintergrund des derzeitigen Ausbaus ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote in Deutschland. Mit der schrittweisen Einführung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung ab dem Jahr 2026, der bis 2029 flächendeckend umgesetzt werden soll, wächst die Notwendigkeit, nicht nur die Quantität, sondern insbesondere auch die Qualität der Angebote nachhaltig zu sichern und weiterzuentwickeln. In diesem Kontext richtet die Studie den Blick gezielt auf die bislang wenig untersuchten Strukturen, die Ganztagseinrichtungen in ihrer Qualitätsentwicklung unterstützen.

Schaubild: Überblick über Akteur:innen in den Unterstützungssystemen
Welt:Stadt:Quartier, Institut für Bildung, Forschung und Entwicklung e. V.

Durchgeführt wird die Untersuchung vom Institut Welt:Stadt:Quartier gemeinsam mit dem sozialen Netzwerk edusiia mit dem Ziel, erstmals systematisch zu erfassen, welche sogenannten Unterstützungssysteme in den 16 deutschen Bundesländern existieren. Dabei handelt es sich um eine Vielzahl unterschiedlicher Akteur:innen und Institutionen – etwa aus Schulverwaltung, Jugendhilfe, Fachberatung oder Fortbildung –, die Ganztagseinrichtungen mit Angeboten, Beratung und Steuerungsimpulsen begleiten. Diese Strukturen sind gegenwärtig, wenig transparent und auch für die beteiligten Akteur:innen selbst nicht immer klar überschaubar.

Von der Bedarfserhebung zu Handlungsempfehlungen

Die Studie verfolgt daher mehrere eng miteinander verknüpfte Zielsetzungen: Zunächst soll Transparenz geschaffen werden, indem bestehende Angebote und Zuständigkeiten systematisch dokumentiert und vergleichbar gemacht werden. Darüber hinaus werden die Strukturen und Formen der Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteur:innen analysiert, um besser zu verstehen, wie Unterstützung konkret organisiert ist und wo Koordinationsbedarfe bestehen.

Methodisch greift die Studie auf einen mehrperspektivischen Ansatz zurück, der sowohl Dokumentenanalysen als auch qualitative Interviews, Fokusgruppen und den Austausch mit Expert:innen umfasst. Ergänzend werden Praxisbeispiele untersucht, um erfolgreiche Modelle der Unterstützung identifizieren zu können. Auf dieser Grundlage sollen Kriterien für wirksame Unterstützungssysteme entwickelt und schließlich konkrete Handlungsempfehlungen für deren Weiterentwicklung formuliert werden.

Unterstützungssysteme bundesweit sichtbar machen

Ein besonders praxisorientiertes Ergebnis der Studie ist die Entwicklung einer digitalen Plattform. Diese soll es ermöglichen, Unterstützungssysteme aller Bundesländer  sichtbar zu machen und gezielt nach Akteur:innen, Themen und Angebotsformaten zu recherchieren. Ziel ist es, den Zugang zu Informationen zu erleichtern, Vernetzung zu fördern und den Wissenstransfer zwischen unterschiedlichen Ebenen und Regionen zu stärken.

Insgesamt leistet die Studie damit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung ganztägiger Bildung und Betreuung, indem sie nicht primär den Unterricht oder die pädagogische Praxis selbst in den Fokus stellt, sondern die dahinterliegenden strukturellen Rahmenbedingungen. Indem sie die „Infrastruktur der Qualitätssicherung“ untersucht und weiterentwickelt, trägt sie dazu bei, die komplexe Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteur:innen besser zu verstehen und langfristig wirksamer zu gestalten.