Lernkultur

Tisch mit Stiften und Schild Feedback
© DKJS

Bei der Lernkultur an Ganztagsschulen geht es darum, strukturierte, vielfältige und abwechslungsreiche Lernsettings zu entwickeln, die das Mehr an Zeit, Raum und Kooperation nutzen und zu mehr Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler führen. Individualisiertes Lernen, Fordern und Fördern, inklusive Bildung, Lernzeiten, Projektlernen, fächer- oder jahrgangsübergreifender Unterricht und multiprofessionelle Teams sind dabei wichtige Schlüsselbegriffe. Eine veränderte Lernkultur zeigt sich besonders deutlich in einer rhythmisierten Lernstruktur, bei der sich der Schulalltag in Arbeits- und Entspannungsphasen gliedert.

Über die Unterrichtsentwicklung und einzelne Fachdidaktiken hinaus spielen weitere Handlungsmuster im schulischen Alltag eine wichtige Rolle. Eine veränderte Lernkultur in der Ganztagsschule zeigt sich ebenfalls in einem gemeinsam mit allen an Schule Beteiligten ausgehandeltes Verständnis von Bildung und Leistung. Dabei stehen Kompetenzentwicklung, Leistungsbewertung und Bewertungskriterien auf der Basis von individuellen Lernzielen und ein ganzheitliches, selbstverantwortetes Lernen im Fokus. Um dem gerecht zu werden, bedarf der Entwicklung und Anwendung einer breiten Palette von Lehr- und Lernformen sowie einer lebendigen Feedbackkultur. Dabei ist Feedback mehr als Leistungsbewertung. Individualisierte Rückmeldung ist gekennzeichnet durch die Anerkennung von persönlicher Entwicklung und Leistung, Motivation, Lernfreude und dem Hinweis auf weitere Entwicklungspotentiale. Nur wenn Lerninhalte und Lernmethoden an die Vorerfahrungen und Interessen der Schülerinnen und Schülern anknüpfen, werden sie internalisiert und wirksam. Dies bedeutet, dass für die Schule die individuelle Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt steht. Auch das gehört zu einer lebendigen und veränderten Lernkultur.  

Unterthemen im Überblick:

Schule in der Gegenwart - digitale Lernumgebungen?
© Enno Schröder

Digitale Bildung braucht Beziehungen

Digitale Medien bieten Heranwachsenden Zugang zu Erlebnisräumen, die sich von ihrer üblichen Umwelt stark abheben. Auch wenn diese virtuelle Umgebung meistens für soziale Kontakte genutzt wird, sei es durch gemeinsames Spielen oder den Chat in sozialen Netzwerken, erfolgt die Nutzung üblicherweise allein. Dass Kinder und Jugendlichen in digitalen Erlebnisräumen oft auf sich allein gestellt sind, liegt daran, dass diese über Smartphones und andere mobile Geräte ständig zur Verfügung stehen. Erwachsene können und sollten hier keine ständige Begleitung gewährleisten.
Lernumgebungen neu gestalten - Integration von digitalen Medien
© Enno Schröder Boddenschule Neuenkirchen

Lernumgebungen neu gestalten - Integration digitaler Medien

Bei der Integration digitaler Medien in schulische Lernumgebungen werden Tablets immer beliebter. Für deren effektive Nutzung müssen Schülerinnen und Schüler in der Lage sein, selbstgesteuert zu lernen. Diese Fähigkeit wird somit zur zentralen Kompetenz. Auf ihr beruhen auch individualisiertes und lebenslanges Lernen. Lernkonzepte für selbständiges Lernen mit digitalen Medien legen einen umfassenden Zugang zu Wissensquellen und Werkzeugen zur Informationsgewinnung sowie zur Ergebnisdokumentation und -präsentation zugrunde.
Transparentes Lernen

Lernen transparent machen

Die Bewertung der Leistungen der Schülerinnen und Schüler ist für Lehrkräfte eine Aufgabe von großer Tragweite. Denn sie bezieht sich auf Individuen und kann den Werdegang von Schülerinnen und Schüler erheblich beeinflussen. Wie eine adäquate Beurteilung von Leistungen aussehen soll, wurde schon viel diskutiert. Eine Leistungsbewertung mittels Schulnoten hat den Vorteil, dass sie verstanden wird und gut bekannt ist. Noten haben auch weitreichende Konsequenzen.

Kinder denken nicht in Fächern

Ein Gespräch mit Gisela Gravelaar Die Wartburg-Grundschule Münster entwickelt ihr Schulkonzept ständig weiter. Seit über 30 Jahren verfolgt das Kollegium das Ziel, jeden Schüler optimal zu fördern und zu fordern. Gisela Gravelaar ist die Schulleiterin und spricht über die konzeptionellen Überlegungen, die Grundschule in ihren wesentlichen Grundsätzen auch auf die Sekundarstufe I zu übertragen und weiterzuentwickeln. Im Zentrum steht eine Rhythmisierungsidee, die in die Zukunft weist.
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© DKJS/D. Ibovnik

Lernkultur durch Rhythmisierung

Die Ganztagsschule bietet mehr Zeit für Bildung und damit mehr Zeit für eine vielfältige Konfiguration von Angeboten, die ganzheitliches Lernen fördert. Sie erleichtert es, die Herausforderung anzunehmen, Kompetenzen zu entwickeln statt bloß Fakten zu lernen. Was auch in der Halbtagsschule möglich wäre, ist in vielen Ganztagsschulen bereits Normalität: Lernbüros, Projektunterricht, individuelle Lernzeit oder Freiarbeit.

Qualität durch Rhythmisierung

Die Tagesstruktur bildet das Grundgerüst für Stundenpläne und spiegelt auch die Lernkultur wider. Der Umgang mit Zeit ist daher ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Ganztagsschule. Ein lernförderliches Stundenplankonzept muss einerseits den organisatorischen Anforderungen von Unterricht und andererseits den Grundbedürfnissen von Schülerinnen und Schülern gerecht werden. Zahlreiche Schulen gehen mit den neuen Gestaltungsmöglichkeiten des Ganztags beherzt um und versuchen den Tagesablauf "neu zu denken“.

Lernqualität - Impulse für Ganztagsschulen

Die Qualität von Ganztagsschule bemisst sich auch an der Lernkultur. Diese neu zu denken und zu gestalten ist ein wichtiges Merkmal gelungener Qualitätsentwicklung. Lernen in Lernlandschaften beispielsweise inspiriert nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern auch Raumgestalter und Qualitätsinstitute. Lernen in Lernlandschaften bedeutet, heranwachsenden Kindern eine umfassende Entfaltung und Entwicklung zu ermöglichen.