Sylvia Mihan (Dipl. Soziale Arbeit, M. A. Kindheitspädagogik), ist seit 2007 für die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) in den Bereichen „Frühe Bildung“ und „Ganztag“ tätig. Als Prozessbegleiterin unterstützt sie Teams verschiedener Bildungsinstitutionen bei der Entwicklung neuer Handlungsstrategien u. a. in den Themenschwerpunkten: Kooperation von Grundschule und Hort, Resilienzförderung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Ergänzend teilt sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit Studierenden durch wechselnde Lehraufträge als Honorardozentin an der Evangelischen Hochschule Dresden, der Universität Leipzig, der Hochschule Mittweida und der Hochschule Magdeburg-Stendal.
Liebe Sylvia, du hast dich in einer Forschungsarbeit mit der Rolle von Multiprofessionalität im Ganztag beschäftigt. Vorab: Welche Professionen sind denn im Ganztag involviert?
Sylvia Mihan: In der Regel sind das neben den Lehrkräften Erzieher:innen, Sozialpädagog:innen, Kindheitspädagog:innen oder Fachkräfte mit vergleichbaren pädagogischen Abschlüssen, die insbesondere im Hort tätig sind oder die Nachmittagsgestaltung in anderer Form übernehmen. Das ist in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich geregelt. Dazu können weitere nichtpädagogische, in der Regel externe Expert:innen kommen wie beispielsweise Logopäd:innen, Ergotherapeut:innen, Psycholog:innen, Künstler:innen oder auch Handwerker:innen, die den Ganztag mitgestalten.
Welche Relevanz hat die multiprofessionelle Zusammenarbeit im Ganztag?
Sylvia Mihan: Der Ganztag umfasst in der Regel die Zeit von 8:00 bis 16:00 Uhr, in der Kinder Schule, Hort oder andere ganztägige Bildungsangebote besuchen. Lehrkräfte vermitteln dabei vor allem formelle Bildungsinhalte. Ganztagseinrichtungen werden jedoch zunehmend als Lern- und Lebensorte verstanden, die ganzheitliches und lebensweltorientiertes Lernen fördern sowie individuelle Interessen und Kompetenzen stärken.
Gleichzeitig sind die Lebenslagen von Familien vielfältiger geworden. Mehrsprachigkeit, unterschiedliche Erwartungen an Bildung und verschiedene Unterstützungsbedingungen prägen den Alltag vieler Kinder. Um allen Kindern gute Bildungs- und Entwicklungschancen zu ermöglichen, braucht es vielfältige pädagogische Ansätze und Lernzugänge.
Damit sind auch die Anforderungen an Lehrkräfte gestiegen. Neben gutem Unterricht werden von ihnen zahlreiche weitere Aufgaben erwartet, etwa individuelle Förderung, Konfliktbearbeitung, Elternarbeit oder Demokratiebildung. Diese Vielfalt lässt sich kaum von einer einzelnen Profession allein bewältigen.
