Frau Dr. Asbury, auf unserer Fachtagung im Programm Erfolg macht Schule 2.0 haben Sie in Ihrem Vortrag über das sogenannte „Growth Mindset” gesprochen und erklärt, warum eine wachstumsorientierte Haltung Lernen beeinflussen kann. Was genau bedeutet „Growth Mindset” eigentlich?
Dr. Katharina Asbury: Mit „Growth Mindset“ oder „Wachstumsdenken“ ist die Überzeugung gemeint, dass Fähigkeiten nicht festgelegt sind, sondern sich entwickeln können – durch Lernen, Übung, Unterstützung und geeignete Strategien. Es geht also nicht darum zu glauben, dass jedes Kind alles schaffen kann oder dass Anstrengung allein immer zum Erfolg führt. Vielmehr geht es um die Haltung, Schwierigkeiten und Fehler nicht als Beweis mangelnder Begabung zu interpretieren, sondern als natürlicher Teil jedweden Lernprozesses.
Das Gegenteil wäre ein eher „fixes“ Verständnis von Begabung – also die Vorstellung, dass manche Menschen bestimmte Dinge einfach können und andere eben nicht. Solche Überzeugungen beeinflussen oft sehr stark, wie Kinder mit Herausforderungen umgehen: ob sie nach einem Fehler weiterprobieren oder ob sie denken: „Ich kann das einfach nicht.“ Besonders wichtig ist dabei: Kinder entwickeln diese Überzeugungen nicht allein. Sie entstehen auch in sozialen Interaktionen, zum Beispiel durch die Rückmeldungen und mehr oder weniger expliziten Erwartungen, die sie von Erwachsenen erleben.
