Zentral ist das Lernen – nicht das Unterrichten: Schülerteams der Sekundarschule „Johannes Gutenberg“ Wolmirstedt organisieren ihr Lernen selbst

Zentral ist das Lernen
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Daten und Fakten
Schulform: Gemeinschaftsschule Ganztagsschulform: gebunden Schülerinnen und Schüler: 432 Lehrerinnen und Lehrer: 32
Weiteres päd. Personal: 3

Die individuelle Förderung und Selbstbestimmung der Schülerinnen und Schüler hat die Sekundar-schule „Johannes Gutenberg“ schon vor über einem Jahrzehnt in den Mittelpunkt ihrer Arbeit ge-stellt. Seitdem bewegt sich die Ganztagsschule im Rhythmus einer Eigendynamik, die auf einem Zusammenspiel aus Fortbildung, Erprobung, gemeinschaftlicher Reflexion der Erfahrungen und schließlich konzeptioneller Verbindlichkeit basiert.
Als erster Schritt wurde auf diese Weise das Selbstorganisierte Lernen (SOL) aufgebaut und in die Stundentafel integriert. Gleichzeitig nahm die gebundene Ganztagsschule an einem Modellversuch zum Praxisorientierten Lernen (POL) teil, der wertvolle Erfahrungen mit dem verbindlichen fächer-übergreifenden Lernen beisteuerte. Die Veränderung von einer wissensbasierten zu einer kompe-tenzorientierten Unterrichtsgestaltung kam so einen wichtigen Schritt voran. Das Kollegium beschäftige sich fortan intensiv mit der Individualisierung der Lernprozesse: Klassenräume wurden zu Lernwerkstätten, die Rolle als Lehrer oder Lehrerin neu verhandelt und passende Instrumente zur Leistungsbewertung entwickelt. Die konstruktive Auseinandersetzung der Veränderungen in der Lehr- und Lernkultur der Schule mündete schließlich in einem schuleigenen Unterrichtskonzept, dem Selbstorganisierten Praxisorientierten Lernen (SPL).

Jahresstruktur, Lernbüro, Teamarbeit und Methodenkompetenz – Basis für selbstständiges Lernen

An der Sekundarschule enthält jedes Schuljahr drei verbindliche Projektphasen entlang des didakti-schen Konzepts des Selbstorganisierten Praxisorientierten Lernens (SPL). Bereits ab der fünften Klasse arbeiten die Schülerinnen und Schüler hier zu fünft oder sechst in Kleinteams. Ein Drittel der Unterrichtzeit ist dafür freigehalten. Die Projektphasen folgen einem festen Ablauf: Findungsphase, Arbeitsphase, Zwischenreflexion, Präsentation, Reflexionsgespräch und Bewertung.
Zu Projektbeginn, in der Findungsphase, verantworten die Fachlehrerinnen und Fachlehrer die thematische Hinführung. Inhaltlich werden hier Lehrplanthemen und Lebensumfeld der Jugendlichen verknüpft. Projektthemen sind z.B. „Mensch und Tier leben zusammen“ (5. Klasse), „Wie Technik mein Leben bestimmt“ (6. Klasse) oder „Leben mit anderen Kulturen“ (7. Klasse). Die Fachlehrkräfte definieren Lernziele, halten ihre fachliche Einführung in einem Handout fest und beraten die Schülerteams bei ihrer Schwerpunktsetzung. Die Teams entwickeln in dieser Phase selbst Ideen für die nachfolgende achtwöchige Arbeitsphase.
In der Arbeitsphase geben die Fach- an die Klassenlehrer ab, die von nun an den Lern- und Arbeits-prozess individuell begleiten. Zur Halbzeit erfolgt eine Zwischenreflexion, die in die Bewertung ein-fließt. Zum Projektabschluss präsentieren die Schülerteams anhand von Plakaten, Modellen, Bild-schirmpräsentationen, Filmen oder Sketchen das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit vor der Klasse und auf der Teamelternversammlung. Methodisch lassen sich die jungen Wolmirstedter dabei immer wieder etwas einfallen. Besonders beliebt sind kleine Dokumentarfilme über Exkursionen, die Inszenierung von Quiz- oder Talkshows, Kochen und Verkostungen oder szenische Darstellungen mit Kostümen, z.B. über das Leben einer Magd in früherer Zeit.
Ausgewertet wird jedes Projekt mit einem Reflexionsgespräch zwischen Lehrkraft und Schülerteam. Grundlage des Gesprächs sowie der Reflexion in der Gruppe und der individuellen Bewertung bilden Schülerkompetenzraster, Bewertungsprotokolle und Arbeitsnachweise (Material). Durch die wiederkehrenden Projektphasen und deren Auswertung lernen die Schülerinnen und Schüler geeignete Methoden auszuwählen, das eigene Leistungsvermögen einzuschätzen, verschiedene Sozialformen zum Lernen zu nutzen und die zur Verfügung stehende Zeit richtig zu planen. Organisierte Rückmeldung und Anerkennung erhalten die Heranwachsenden voneinander, von ihren Lehrkräften und auf den Elternversammlungen. Ihren individuellen Lernprozess können sie jährlich über ein Portfolio in Verbindung mit Lernverträgen nachvollziehen.
Das selbstgesteuerte Lernen wird unterstützt durch eine umfangreiche Sammlung an Informations- und Anschauungsmaterialien: In den Klassenräumen stehen den Teams daher Nachschlagewerke, Präsentationsmöglichkeiten, Computer und anderes Arbeitsmaterial zur ständigen Verfügung. Auch die Lehrkräfte können auf dem schuleigenen Server über Pläne, Handouts, Kompetenzraster usw. verfügen und so effizient auf gemeinsame Arbeitsergebnisse und Standards zugreifen.

Schulerfolg für alle

Der curriculare Aufbau der notwendigen Kompetenzen zum selbstgesteuerten Lernen und die konsequente Reflexion der Lernerfahrung fördern nicht nur erheblich die Motivation und das Selbstvertrauen der Schülerinnen und Schüler. Seit mittlerweile 15 Jahren garantiert der pädagogische Ansatz der Ganztagsschule allen ihren Schülerinnen und Schülern den Schulerfolg: An der Schulpreisträgerschule (2011, Bereich Leistung) gibt es keine Schulabbrecher, kaum Klassenwiederholungen und über 90 % der Sekundarschüler schließen mit einem Realschulabschluss ihre Schulzeit ab. Auf die Erfolge der Individualisierung möchte das Kollegium aufbauen: Als nächstes stehen der Aufbau der gymnasialen Oberstufe sowie die Erweiterung der pädagogischen Arbeit in den "Berufs- und Studienorientierenden Werkstätten" auf der Agenda.
 

Adresse
Meseberger Str. 32, 39326 Wolmirstedt
E-Mail: info@jgschule.de

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