Zeit für pädagogische Teamarbeit

Grund- und Gemeinschaftsschule Neuss

Weißenberger Weg 151
41462 Neuss

Nordrhein-Westfalen
Gebundene Ganztagsschule

Pädagogischer Schwerpunkt der Grund- und Gemeinschaftsschule "Die Brücke" Neuss ist das Thema „Inklusion“. Damit alle Schüler individuell gefördert werden können, setzt die Schule auf multiprofessionelle Teams: So arbeiten Lehrkräfte, Sozialpädagogen, Integrationshelferinnen und Ehrenamtliche eng zusammen.

Schule mit veränderter Lernkultur
Erleben Sie in dem Film von Lukas Hellbrügge die Schule vor Ort. Filmbeitrag

Frau Wadewitz, die Leiterin des Offenen Ganztags an der Grundschule „Die Brücke“, fiel aus allen Wolken, als sie erfuhr, dass Bastian, Schüler der 3. Klasse, nicht versetzt werden sollte. Wie war das möglich? Bereitete dieser Junge den Lehrkräften im Unterricht wirklich Probleme? Im offenen Ganztag erlebte Frau Wadewitz den Jungen hingegen als zuvorkommend und gelöst. War es gerechtfertigt, dass Bastian eine Empfehlung für eine Förderschule erhielt? Bastian verhielt sich offensichtlich in den verschiedenen Lernumgebungen am Vor- und Nachmittag sehr verschieden. Es war deshalb wichtig, sich mit der Kollegin aus dem Unterricht auszutauschen. Aus diesem Grund starteten die Lehrerinnen vom Vor- und Nachmittag einen Dialog über Bastian. Durch das Gespräch wurden beiden deutlich, dass sich der Junge tatsächlich am Vor- und Nachmittag unterschiedlich verhielt.

Die Grund- und Gemeinschaftsschule in Neuss hat für ihr Veränderungsvorhaben im Rahmen der Mitarbeit im Netzwerk Ganztagsschule eine Zielvereinbarung geschlossen.

„Inklusion – eine Schule für alle“

Die Neusser Gemeinschaftsgrundschule hat 330 Schülerinnen und Schülern und 35 Lehrkräften und arbeitet mit dem pädagogischen Schwerpunkt „Inklusion – eine Schule für alle“. Sie wurde bereits in zahlreichen Initiativen ausgezeichnet und ist in der Ganztagsschulbewegung Nordrhein-Westfalens sehr bekannt. Erfahrung wie die mit Bastian treten in den vergangenen Jahren immer häufiger auf.

Das Besondere der Schule auf einen Blick
Die Grundschule "Die Brücke" hat sich mit innovativen Lösungen auf den Weg gemacht, um einen interessanten Ganztag zu bieten. öffnen

Viele der Kinder verhalten sich auffällig im Unterricht, können sich nur für kurze Zeit konzentrieren und kämpfen beim Schreiben und Rechnen mit Problemen. Und dieselben Kinder schaffen es, sich im Nachmittagsbereich der Ganztagsschule anders  zu verhalten. Als sich Lehrkräfte und Mitarbeiterinnen aus dem offenen Ganztagsangebot nur unregelmäßig trafen, fielen solche Unterschiede sehr spät auf. Wenn sie dann auffielen, lagen teilweise bereits Situationen vor, in denen die Kinder oder die Lehrer nicht mehr bereit waren, aufgrund gegenseitiger Beschuldigungen erneut offen aufeinander zuzugehen.  

Irgendwann kam deshalb der Punkt, an dem sich das Kollegium fragte, was diese Erfahrungen für den pädagogischen Schwerpunkt „Inklusion“ der Schule bedeuteten. Wie kann die Schule als ein Team „Brücken bauen“, um die Schülerinnen und Schüler noch besser zu fördern – insbesondere dann, wenn sich das Kind am Vor- und Nachmittag unterschiedlich verhält?

Veränderungsmanagement

An diesem Punkt stand die Schule zu Beginn des Schuljahres 2010/2011. Die Schulleitung war damals in Kontakt mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ in Nordrhein-Westfalen, die bundesweite Schulnetzwerke organisieren, in denen sich Schulen zu Fragen der Schulentwicklung kollegial austauschen. Deshalb entschied sich das gesamte Kollegium, diese Frage im Netzwerk Ganztagsschule zu bearbeiten. Als Projekt brachte die Schule die Frage ins Netzwerk ein, wie es in den Teams aus Lehrkräften, Sonderpädagoginnen und -pädagogen sowie Integrationshelferinnen und -helfern gelingen kann, gemeinsam zum selben Zeitpunkt am Vor- und Nachmittag eingesetzt zu werden. Als Pilotvorhaben wurde für die neuen ersten Klassen im Schuljahr 2010/2011 festgelegt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem OGS-Bereich an vier Vormittagen für jeweils eine Stunde mit in der Klasse einer Lehrerin oder eines Lehrers sind. Darüber hinaus sind die Lehrerin und der Lehrer jeweils an zwei Nachmittagen für eine Stunde im OGS-Bereich der Schule.

Im Schuljahr 2010/2011 war das Ziel der Schule, diese Maßnahme vorzubereiten und umzusetzen. Hierfür wurden – finanziell gefördert durch das Programm „Ideen für mehr! Ganztägig lernen.“ – drei Fortbildungstermine für die jeweiligen Mitglieder in den Teams angeboten. Hierbei standen Fragen nach gemeinsamen Zielen und den Rollen im Team sowie das Hervorheben von Stärken der jeweiligen Profession im Mittelpunkt. Für die Lehrerinnen und Lehrer war es nach eigenem Bekunden sehr hilfreich, in diesem Prozess von einem externen Experten begleitet zu werden, um nicht „den Faden zu verlieren“. Auch der Besuch der Comenius-Grundschule in Braunschweig, die als Hospitationspartnerschule mit der GGS-Schule „Die Brücke“ kooperiert, hat neue Impulse gegeben, nicht zuletzt weil elf Kolleginnen und Kollegen der Schule an der Hospitation in Braunschweig teilgenommen haben. Auf den regelmäßigen Treffen im Netzwerk nutzten Frau Vreden aus dem OGS-Bereich und Herr Gorki als Lehrkraft die kollegiale Rückmeldung und die Arbeitsphasen, um in Ruhe über die Vorgänge an der Schule zu reflektieren – was im hektischen Schulalltag nur selten möglich ist.

Austausch ist wichtig!

Die Projektidee hat dazu geführt, dass es leichter geworden ist, die Schülerinnen und Schüler zu unterstützen, weil nun die Lehrkräfte und die OGS-Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter die individuellen Förderpläne öfter gemeinsam besprechen. Darüber hinaus haben die Pädagoginnen und Pädagogen die Möglichkeit, für spezielle Übungseinheiten die Gruppe der Kinder aufzuteilen, weil in den Stunden eine Doppelbesetzung vorliegt. Es bewährt sich, dass die Kolleginnen aus dem Vor- und Nachmittag das Verhalten der Schüler besprechen und vergleichen. Solch ein Austausch ist wichtig für die Lernerfolge des Kindes.

Im nächsten Schuljahr 2011/2012 soll das Projekt zunächst in der 2. Klasse fortgeführt werden. Aktuell fehlen allerdings weitere Mittel, um das Projekt auch auf die neue 1. Klasse auszuweiten. Auch der Wunsch nach Einführung einer Beratungsstunde, in der die Mitglieder des Teams außerhalb des Unterrichts gemeinsam Inhalte planen können, ist aktuell noch nicht zu realisieren. Aber eins ist sicher: Zumindest in der 2. Klasse können die Pädagoginnen und Pädagogen präventiver zusammenarbeiten. Und wer weiß – vielleicht finden die Schulleiterin Frau Decker und die OGS-Leitung Frau Wadewitz wieder auf kreative Weise noch weitere Unterstützungsmöglichkeiten. In jedem Fall hat Bastian in seiner Situation so viel Unterstützung erhalten, dass das Kollegium keine Förderschulempfehlung aussprechen musste. 

Datum: 01.03.2012
© www.ganztaegig-lernen.de
 

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