„Freiheit in Gebundenheit“ - Lern- und Freiräume an der Friedrich-Schiller-Schule Erfurt

„Freiheit in Gebundenheit“ - Lern- und Freiräume an der Friedrich-Schiller-Schule Erfurt
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Daten und Fakten
Schulform: Gemeinschaftsschule Ganztagsschulform: teilgebunden Schülerinnen und Schüler: 350 Lehrkräfte: 32
Weiteres päd. Personal: 6

Seit nunmehr zehn Jahren arbeitet die Friedrich-Schiller-Schule, eine die Klassen fünf bis zwölf umfassende Gemeinschaftsschule, mit offenen Unterrichtsmethoden, wie dem Wochenplan oder der Freiarbeit. Jeweils zehn Schulstunden pro Woche wurden für freie Arbeitsphasen eingeplant, die methodische Umsetzung war dabei breit gefächert und ohne einheitliches Konzept. Einig war sich das Kollegium allerdings hinsichtlich des gemeinsamen Ziels. Die Schülerinnen und Schüler sollten größeren Einfluss darauf erhalten, wo, mit wem und was sie lernen. Ein pädagogisches Konzept wurde gesucht, das all diese Punkte berücksichtigte und mit dem sich alle identifizieren könnten. Auf Vorschlag der Schulleitung setzte sich das Kollegium intensiv mit der Daltonpädagogik und den damit einhergehenden Prinzipien und Instrumenten freier Lernzeiten und -räume auseinander. Die Begeisterung war groß und es wurde der Entschluss gefasst, an der  Schule nach den Daltonprinzipien  zu unterrichten. Die Arbeit mit dem Daltonplan konnte beginnen und das Grundprinzip „Freiheit in Gebundenheit“ in die Tat umgesetzt werden. Bereits nach zwei Jahren erhielt die Friedrich- Schiller- Schule durch die Dalton Vereinigung Deutschlands ihre Zertifizierung zur anerkannten „Daltonschule“.

Läufer und Pensen

Alle Schülerinnen und Schüler lernen zehn Stunden die Woche mit ihrem Daltonplan, täglich in der zweiten und dritten Stunde, dem Daltonband. Hierfür benötigen sie ihre Läuferkarte, ihren Daltonordner und ihre Arbeitspläne.
Zunächst wählen sich die Schülerinnen und Schüler ihren Lernort, ihre/n Lernpartner/in und ihre/n Lernbegleiter/in, eine Fachlehrkraft, aus. Hier kommt die Läuferkarte ins Spiel. Diese gibt es in drei farblichen Ausführungen: grün, gelb und rot. „Grün“ bedeutet, dass sich das Kind seinen bevorzugten Arbeitsplatz im gesamten Schulgebäude aussuchen darf, auch die Bibliothek und die Flure können genutzt werden. „Gelb“ bedeutet den Aufenthalt bei einem selbstgewählten Lernbegleiter in dessen jeweiligen Fachraum, und „rot“ heißt, dass das Kind während der Daltonstunden bei einem festgelegten Team und deren zugeordneten Fachräumen lernt.
Haben die Schülerinnen und Schüler sich für einen Arbeitsplatz entschieden, öffnen sie ihren Daltonplaner. Darin finden sie alles, was sie zur Organisation ihrer Arbeitsprozesse brauchen: Checklisten und Arbeitsanleitungen, ihre Wochenplanung, Raumbesetzungs- und Lehrerpläne sowie ein Säulendiagramm, in das sie ihren Lernfortschritt eintragen. In ihrem Daltonordner sind alle individuellen Arbeitspläne abgeheftet. Diese werden für unterschiedliche Fächer von den jeweiligen Fachlehrkräften zusammengestellt. Die Aufgabenstruktur reicht von Pflicht- und Übungsaufgaben über Wahl(pflicht)aufgaben bis hin zu Transferaufgaben.
Nach getaner Arbeit bewerten die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeitsprozesse hinsichtlich ihrer Sozial-, Methoden-, Sach- und Selbstkompetenz und tragen ihren Arbeitsfortschritt in ein Säulendiagramm ein. Anschließend unterschreibt die anwesende Lehrkraft die Schülereintragungen.  
Neben den Arbeitsplänen beinhaltet der Daltonunterricht pro Schuljahr vier Pensen. Dabei wählen die Kinder und Jugendlichen ein konkretes Thema, das sie persönlich beschäftigt und stellen es in den Mittelpunkt einer fächerübergreifenden Projektarbeit mit anschließender Präsentation. Dabei kann es um das individuelle Hobby genauso gehen wie um ein gesellschaftspolitisch aktuelles Thema.

„Freiheit in Gebundenheit“ – das Daltonprinzip

Der Daltonunterricht ermöglicht den Schülerinnen und Schülern eine große Gestaltungsfreiheit ihrer Lernprozesse. Sie planen ihre wöchentliche Arbeitszeit eigenständig und behalten über die Eintragungen ihres individuellen Lernfortschritts in ein Säulendiagramm den Überblick. Auch die Kontrolle und Reflexion ihrer Arbeitsprozesse übernehmen sie selbst. In die Selbstbewertung fließen die Bereiche Lernprozess, Produktbewertung und Lernzielkontrolle ein. Die Schülerinnen und Schüler erleben Selbstwirksamkeit und entwickeln ein Verantwortungsbewusstsein für ihre Lernprozesse.
Je nachdem, wie selbstständig die Schülerinnen und Schüler bereits sind, wird ihnen ihre persönliche Läuferkarte ausgestellt. Durch das Läuferprinzip während des für alle Jahrgangstufen parallel laufenden Daltonbands arbeiten die Schülerinnen und Schüler der fünften bis zehnten Klassen gemeinsam an unterschiedlichen Themen in einem Lernraum. So ergeben sich Situationen des voneinander Lernens. Die Verantwortung für das eigene Tun wird ergänzt durch soziales Lernen und der Verantwortungsübernahme für andere – jüngere – Mitschülerinnen und Mitschüler.
Das tägliche Freiarbeitsband mit den festgelegten Instrumenten Läuferkarte, Daltonordner und  individuellen Arbeitsplänen schafft Orientierung und Sicherheit in der Phase des selbstorganisierten Lernens, getreu dem Grundprinzip der Daltonpädagogik: „Freiheit in Gebundenheit“.
 

Adresse
Schillerstr. 33, 99096 Erfurt
friedrich-schiller-schule@erfurt.de

Material zum Download

Checkliste Dalton

Präsentation Ganztagsschule