Klappe, die Zweite! – eine Übersicht

 

Themenatelier Kulturelle Bildung an Ganztagsschulen

Vierzehn Ganztagsschulen aus ganz Deutschland haben sich im Januar 2008 auf den Weg gemacht und zusammen mit ihren Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und außerschulischen Partnern aus dem Medienbereich zwei Jahre lang Filme zum Thema „Inklusion“ entwickelt und gedreht. Gleichzeitig entstanden unter künstlerischer Federführung von Linda und Ephraim Broschkowski zwei Bundesfilme, d . h . ein Zusammenschnitt aller Projektfilme und eine Dokumentation. Als Zwischenbilanz gestalteten die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen mit professioneller Unterstützung von Sophie Jahnke, Jan Bunge und einem großen Künstlerteam bereits nach einem Jahr gemeinsamer Arbeit eine Wanderausstellung, die nach einer Weiterentwicklung zum Ende des zweiten Programmjahres nun die Erfahrungen präsentiert, die von den Projekten während des gesamten Prozesses gesammelt wurden.

Die Struktur des Themenateliers –  eine Erfolgsgeschichte

Das Themenatelier „Kulturelle Bildung an Ganztagsschulen“ ist bereits seit 2005 Bestandteil des Programms „Ideen für mehr! Ganztägig lernen .“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) . In einer ersten Phase von 2005 bis 2008 setzten dreizehn Schulen aus vier Bundesländern kulturelle Projekte in den Sparten Tanz, Theater, Museum und Literatur um. Gefördert durch die PwC-Stiftung Jugend-Bildung-Kultur erprobte die DKJS damit ein länderübergreifendes Programm, bei dem in gemeinschaftlicher Arbeit ein Qualitätsrahmen für Kooperationsprojekte im Bereich der kulturellen Bildung geschaffen wurde. Dabei war deutlich geworden, dass bei der Zusammenarbeit zwischen Ganztagsschulen und außerschulischen Partnern die Diskussion um ein gemeinsames Bildungsverständnis unverzichtbar ist: Was soll in solch einem kulturellen Projekt geschehen? Wie soll es geschehen? Welche Rolle übernehmen die Schülerinnen und Schüler, welche die erwachsenen Begleiter/innen? Insgesamt identifizierten die Teilnehmer/innen sieben Qualitätsbereiche, die für das Gelingen eines Kooperationsprojektes berücksichtigt werden müssen .

Die Projektteams waren bei der Bearbeitung dieser Qualitätsbereiche nicht auf sich alleine gestellt .  In jedem Bundesland wurden ihnen über das Programm sogenannte Prozessbegleiter/innen zur Seite gestellt, die die Kooperationsvorhaben der einzelnen Projekte moderierten und die Projekte auf Landesebene miteinander ins Gespräch brachten . Gleichzeitig wurden bundesweite Netzwerktreffen organisiert, die als Fortbildungsveranstaltungen konzipiert waren und den Projektteilnehmer/innen die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch boten . Auch bestand die Möglichkeit, bei Projekten aus dem Netzwerk zu hospitieren,   einzelne Projektpartner einzuladen oder sogar mit allen beteiligten Schüler/innen ein Partnerprojekt zu besuchen. Die abschließende Evaluation zeigte, dass die Arbeit im Themenatelier mit seinen vielfältigen Unterstützungsangeboten ganz entscheidend dazu beigetragen hatte, die Schulen im Ganzen zu verbessern:
Knapp 90 Prozent der Projektleitungen bewerteten die positiven Auswirkungen des Programms auf die Entwicklung des Schulklimas und die Schulkultur als stark oder sogar sehr stark .

Die Besonderheiten von „Klappe, die Zweite!“

Das daran anschließende DKJS-Themenatelier „Klappe, die Zweite!“ konnte somit auf bereits erprobte Strukturen des Vorgängerprojekts aufbauen . Es startete 2008 und wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert . Auf Basis einer Ausschreibung wurden 14 Schulen aus den Bundesländern Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt ausgewählt, davon zwei Grundschulen, elf Haupt-, Real- oder Gesamtschulen und ein Gymnasium . Gefördert wurden insbesondere Ganztagsschulen aus Kommunen mit hohem Migrationsanteil und/oder dringenden Integrationsaufgaben . Inhaltlich setzt das neue Programm auch andere Schwerpunkte: Im Mittelpunkt stehen die Medien Film und Ausstellungsgestaltung sowie das Thema „Inklusion“. Aus jedem Bundesland beteiligten sich zwei bis drei Schulen mit einem Projekt an dem Programm und wurden jeweils im regionalen Verbund durch eine Prozessbegleitung unterstützt . Zweimal im Jahr konnte eine Delegation aus jedem Projekt mit einem Lehrer oder einer Lehrerin, einem außerschulischen Partner oder Partnerin und zwei Schüler/innen an einem bundesweiten Netzwerktreffen in Berlin teilnehmen. Im Unterschied zur ersten Phase des Themenateliers wurden diese Treffen nicht nur für Fortbildungen und gegenseitigen Austausch genutzt, sondern es fanden auch gleichzeitig Workshops im Bereich der Film- und Mediengestaltung statt, auf denen die Schüler/innen mit Profis aus dem Filmbereich Material für die zwei geplanten Bundesfilme erarbeiteten. Das bundesweite Netzwerk der Teilnehmerprojekte kam darüber hinaus zu einem „Kuratorentreffen“ zusammen, auf dem mit den jugendlichen Projektdelegierten und einem großen Künstlerteam die Bundesausstellung zum Programm entstand.

Insgesamt arbeiteten die Projektteams über einen Zeitraum von zwei Jahren an ihren Filmen . Dabei fanden sie ganz individuelle Zugänge zum Thema „Inklusion“, zum Beispiel: Wie entstehen eigentlich Vorurteile? Wie nehmen wir uns und die anderen wahr? Welchen Reichtum und welche Konflikte birgt kulturelle Vielfalt? Wie wird unsere Schule von außen wahrgenommen und wie möchten wir wahrgenommen werden? So vielfältig wie die Facetten des Themas waren die Antworten der Jugendlichen, die sich damit beschäftigten. Ihre unterschiedlichen Herangehensweisen werden auch in den Projektbeschreibungen auf den folgenden Seiten deutlich. 

Die Ergebnisse und Produkte

Die meisten Projektfilme konnten direkt als Beitrag zu den Bundesfilmen 2008 und 2009 eingesendet werden, wobei bestimmte Vorgaben einzuhalten waren (z . B. rechtliche Auflagen wie Bild- und Musikrechte, Länge des Beitrags). Die künstlerische Leitung – Linda und Ephraim Broschkowski – stellte anschließend aus den
eingesendeten Beiträgen sowie aus den Materialien, die auf den Netzwerktreffen entstanden waren, den Bundesfilm zusammen. Dieser Film soll einen Einblick in die Arbeit der Projekte ermöglichen und zentrale Fragen des Gesamtprogramms aufgreifen: Welche persönlichen Antworten haben die Jugendlichen auf das Thema „Inklusion“ gefunden? Wie haben sie sich dem Thema genähert? Hat sich durch das Projekt etwas für sie verändert? Können Kooperationsprojekte mit Partnern aus dem Kultur- und Medienbereich den Weg zu einer inklusiven Schule ebnen? In jedem Projektjahr ist eine DVD entstanden, auf der neben dem Bundesfilm auch die eingereichten Filme der Projekte in voller Länge zu sehen sind. Die DVD von 2009, die dieser Broschüre beiliegt, enthält außerdem den Film des Dokumentationsteams, das drei ausgewählte Projekte sowie alle Aktivitäten auf Bundesebene über zwei Jahre begleitete.

Dokumentiert sind auch die jeweiligen Eröffnungsveranstaltungen der Wanderausstellung, die von Januar bis Dezember 2009 durch die verschiedenen Projektorte tourte und jeweils für zwei bis drei Wochen in Museen, Rathäusern, Krankenhäusern, Kirchen und an anderen öffentlichen Orten zu sehen war.  Als Zwischenbilanz konzipiert, zeigte die Ausstellung die einzelnen Projektfilme aus dem Jahr 2008 sowie Wege und Gedanken, die zur Entstehung der Filme beigetragen haben. Die Eröffnungsveranstaltung wurde vom jeweiligen Projektteam vor Ort durchgeführt und sehr persönlich gestaltet . Sie vertiefte noch einmal das Thema „Inklusion“, erklärte den speziellen medienpädagogischen Ansatz des Projekts und stellte die Schule und ihre Partner der Öffentlichkeit vor.Im September 2009 wurde die Ausstellung noch einmal von den Projektteilnehmer/innen verändert. Dadurch sollen Prozesse verdeutlicht werden, die während der Programmlaufzeit stattgefunden haben. Seit Januar 2010 steht sie als buchbare Wanderausstellung zur Verfügung.

Von: Harriet Völker

Der Text ist die Einleitung der Broschüre, die das Themenatelier "Kulturelle Bildung an Ganztagsschulen. Klappe, die Zweite!" dokumentiert.

 

 

 

 

 

 

 

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Datum: 06.04.2010
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