Salon 6: Kooperation von Anfang an – gemeinsame Aus- und Fortbildung

Fachtag-Salon6
© DKJS | Jan Kulke

Der Fachkräftemangel macht auch vor Ganztagsschulen nicht Halt. Der Quereinstieg in den Lehrberuf ist schon lange keine Ausnahme mehr. So verfügte zu Beginn des aktuellen Schuljahres 2018/2019 nur ein Achtel aller neu eingestellten Lehrkräfte über einen Abschluss im Lehramt für die Grundschule. Ähnlich verhält es sich auch auf der Seite der Kooperationspartner. Wie können gemeinsame Aus- und Fortbildungen aussehen? Welche Fragen stehen dabei im Zentrum?

Nicole Pospich, Beraterin an der Grundschule Bellheim (Rheinland-Pfalz)

Schulteams umfassen nicht mehr nur Lehrkräfte, sondern setzen sich zunehmend aus unterschiedlichen Berufsgruppen zusammen. Hier kann es schnell zu Unstimmigkeiten kommen. Ohne genaue Aufgabenaufteilung scheitern viele Kooperationen. In Zusammenarbeit mit dem pädagogischen Landesinstitut wurde mit dem Kollegium der Grundschule Bellheim die Methode des Gruppenspiegelns durchgeführt. Auf diese Weise gelang es eine Aufgabenaufteilung vorzunehmen, mit der die Kompetenzen der einzelnen Mitglieder optimal zum Tragen kommen.

Folgende Fragen wurden im Salon diskutiert:

  • Welche Ausgangslage hat an der Schule dazu geführt, dem Thema der Kooperation im Team methodisch zu begegnen?
  • Wie ist es gelungen, Verbindlichkeit in der Aufgabenaufteilung herzustellen und den Bedarfen aller Akteure gleichermaßen gerecht zu werden?

Die Grundschule Bellheim ist seit sechs Jahren eine Schwerpunktschule. Zusätzlich zu den Lehrkräften sind auch Sonderpädagogen und pädagogische Fachkräfte an der Schule beschäftigt. Dieser Umstand führte zu offenen Konflikten zwischen den Professionen.

Um eine multiprofessionelle Teamentwicklung zu fördern, hat sich die Schule professionelle Unterstützung gesucht und die Konflikte mit der Methode der Gruppenspiegelung gelöst. Gruppenspiegelung kommt aus der Organisationsentwicklung und besteht aus mehreren Phasen. Auf dem Handout (Download) finden Sie dazu nähergehende Informationen.

Michael Schmitt, Leitung der Serviceagentur Ganztägig lernen Hessen

Die Einführung des „Pakt für den Nachmittag“ in Hessen forcierte einen Fortbildungsbedarf sowohl auf Seiten der Schule als auch auf Seiten der Kooperationspartner. In den von der Serviceagentur Ganztägig lernen Hessen organisierten Fortbildungen befassen sich Schule und Träger der Betreuung in Tandems mit Themen wie Lernzeiten, Teamentwicklung und Ganztagskoordination.

Der „Pakt für den Nachmittag“ wurde mit dem Schuljahr 2015 eingeführt. Mit dem Pakt haben Schülerinnen und Schüler an Grundschulen und Grundstufen von Förderschulen ein verlässliches und bedarfsorientiertes Bildungs- und Betreuungsangebot. Das Ziel ist es, mehr Bildungsgerechtigkeit zu schaffen, individuelle Förderung zu gewährleisten und Eltern bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen. Um das zu erreichen übernehmen Land und Schulträger erstmals gemeinsam Verantwortung für ein integriertes und passgenaues Bildungs- und Betreuungsangebot.

Die Serviceagentur Ganztägig lernen Hessen unterstützt die Zusammenarbeit dabei in folgenden Themen:

  • Lernzeiten und Hausaufgaben
  • Mittagspause/ -zeit
  • Rolle und Aufgabenprofil der schulischen und außerschulischen Akteure
  • Die Entwicklung von Kooperation zum multiprofessionellen Team

Dr. Jens Winkel, Geschäftsführung am Zentrum für Lehrerbildung der Europa-Universität Flensburg (Schleswig-Holstein)

In Kooperationen des Zentrums für Lehrerinnen- und Lehrerbildung der Universität Flensburg, dem Institut für Qualitätsentwicklung Schleswig-Holstein und der Serviceagentur Ganztägig lernen Schleswig-Holstein, wird sich im Rahmen der universitären Lehrkräfteausbildung für den Ganztag der Frage gewidmet, wie Überlegungen und Ideen aus der Diskussion in die Entwicklung von Modellen und der praktischen Arbeit in Ganztagsschulen einfließen können.

Gute Kooperation soll auch in der Lehrerbildung vorgelebt werden: gute Zusammenarbeit zwischen Studierenden, Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern und Professorinnen und Professoren.

Daher wurde ein Gremium „Kooperationsausschuss“ geschaffen, in dem keine Entscheidungen gefällt werden müssen (keine Beschlüsse, denn der Schwerpunkt liegt im Austausch). Beteiligt sind dabei die Hochschullehrenden, Schulvertreterinnen und -vertreter aus ländlichem sowie städtischem Raum aller Schulformen, Kolleginnen und Kollegen aus dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen aus Schleswig-Holstein und der Serviceagentur Ganztägig lernen Schleswig-Holstein. Der Effekt: In der Lehrerbildung wir das Thema Ganztag allmählich verankert. Als Vorrausetzung ist hier ein herrschaftsfreier Diskurs notwendig.

In der anschließenden Austauschphase haben sich die Teilnehmer in drei Gruppen zusammengefunden. Die erste Gruppe beschäftigte sich ausführlicher mit der Methode des Gruppenspiegelns. Die zweite Gruppe diskutierte über die Umsetzungsmöglichkeiten des Ganztages im Grundschulbereich. Ganztag ist bundesweit sehr vielfältig ausgestaltet und somit besteht noch viel Unsicherheit im Bezug zur Umsetzung des Rechtsanspruchs. Die dritte Gruppe tauschte sich über mögliche Anregungen für das Lehramtsstudium aus. So kamen sie zum Ergebnis, dass soziale Lernziele einen hohen Wert besitzen. Ein Vorschlag war, dass andere Professionen bereits in der Lehrerausbildung integriert werden sollten. Neben diesen inhaltlichen Motivatoren schlägt die Gruppe vor, Kompetenzen wie multiprofessionelles Teamplay, Rhythmisierungsmöglichkeiten und Kooperationsmöglichkeiten in der Ausbildung zu verankern.

Moderation: Kerstin Lösche, Sächsisches Staatsministerium für Kultus und Katrin Weigert, Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München

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