Salon 5: Multiprofessionelle Zusammenarbeit – gemeinsame Planung in der Ganztagsschule

Fachtag-Salon5
© DKJS | Jan Kulke

In der Diskussion um eine hohe Qualität spielt eine gemeinsame Planung durch schulische und betreuende Pädagoginnen und Pädagogen für den ganzen Tag eine zentrale Rolle. Die Koordination und Planung aller Beteiligten entscheiden über die Qualität des Ganztags. Welche Herausforderungen gibt es dabei? Welche Herangehensweisen und Rituale haben sich bewährt?

Bettina Goebecke, Schulleitung, Schule 5 Leipzig (Sachsen)

Melanie Moritz, Horterzieherin, Schule 5 Leipzig (Sachsen)

Im wöchentlichen Austausch zwischen der Schul- und Hortleitung der Schule 5 in Leipzig wird das Kind ganzheitlich in den Blick genommen. Das trägt dazu bei, dass die Schule zu einem Ort des Wohlfühlens wird, in dem sich die Pädagoginnen und Pädagogen auf Augenhöhe begegnen und die Kinder keinen Bruch im Tagesablauf wahrnehmen.

In der Schule 5 in Leipzig sollen die Schule und der Hort in einem Gebäude vereint werden. Derzeit befinden sie sich noch in Containern mit insgesamt 325 Kindern. Alle Kinder besuchen den Hort. Mit der Eröffnung des Standorts im Jahr 2011 ging die gemeinsame Konzeptionierung des pädagogischen Konzeptes einher.

Entscheidend für den kollegialen und professionellen Austausch sei die Zusammenarbeit auf Augenhöhe und die gegenseitige Wertschätzung. Ein gut strukturierter Zeitrahmen gewährleistet einen gemeinsamen Austausch. Dieser findet einmal wöchentlich auf Leitungsebene statt. Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte können sich wöchentlich zusammensetzen und sind für diese Zeit freigestellt. Auch Elternabende, Elterngespräche, Fortbildungen und Teamtage werden gemeinsam durchgeführt. Eine der wichtigsten Elemente der Verzahnung ist, das Horterzieherinnen und Horterzieher in den letzten fünf Minuten für einen Unterrichtsbesuch in den Unterricht kommen und somit die Stimmung in der Klasse auffangen können. Diese gemeinsame Zeit mit den Kindern ist essenziell. So finden beispielsweise Klassenstunden und Projektwochen gemeinsam mit Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften statt und stärken unter anderem das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Sabine Zülka, Schulleitung, Grundschule an der Landsberger Straße (Nordrhein-Westfalen)

Die Grundschule an der Landsberger Straße in Herford kooperiert mit der evangelischen Jugendhilfe Schweicheln und organisiert so für Schülerinnen und Schüler sowie Eltern ganztägige Angebote aus einem „Guss“. Verlässliche Kommunikationsstrukturen innerhalb der Kooperation reduzieren Bruchstellen zwischen Unterricht und außerunterrichtlichen Angeboten.

In der Grundschule an der Landsberger Straße in Herford besuchen 210 von 280 Kindern den Ganztag in acht Ganztagsklassen und vier gemischten Klassen. Die soziale Umgebung wird als „Brennpunkt“ wahrgenommen. 40% der Kinder leben in Armutslagen. Daraus ergab sich für die Schule die Frage, wie die Lebenswelten der Kinder und Schule zusammengedacht werden können, sodass die Kinder so viel Bildung erfahren, dass sie in der Lage sind, einen Schulabschluss zu schaffen. Dabei haben sich folgende Regeln und Rituale bewährt: Ein strukturierter Tagesablauf hilft die Organisation in den Klassen zu gewährleisten und im Krankheitsfall eine gegenseitige Vertretung zu stellen. In den Lernzeiten zwei und drei gibt es eine Doppelbesetzung einer Lehrkraft und Erziehern. So entsteht eine gemeinsame Verantwortung für einen Raum. Regeln, Materialien und Rituale können so den ganzen Tag über beständig angewendet werden und schaffen für die Kinder eine Orientierung. Auch die alltäglichen Themen werden zusammen gedacht. Der Anfang eines jeden Tages ist offen und mit Freiarbeit. Anschließend wir im Sitzkreis der Tag geplant. Dieser wird nach Lernzeiten strukturiert und in einem Logbuch dokumentiert. Mit wöchentlichen Teamsitzungen der Klassenteams und des „Lernhauses“ (ca. 10 Leute) entsteht Verlässlichkeit und Verbindlichkeit in der Kommunikation. Alle Konferenzen innerhalb der Schule finden unter der Beteiligung aller statt.

salon 5
© DKJS | Jan Kulke

Herausforderungen:

  • Räumlichkeiten sind oft nicht geeignet
  • Lehrermangel und Seiteneinsteiger
  • Zeitressourcen

Lösungen, Erkenntnisse und Tipps:

  • Entwicklung ist ein langer Prozess
  • Multiprofessionalität als Bereicherung
  • Ein gemeinsames pädagogisches Konzept entwickeln
  • Kleine Rituale einbringen
  • Neue Mitarbeiter bringen oft frischen Wind
  • Ein gemeinsames Bildungsverständnis finden
  • Einbezug der Kinder wichtig, z.B. Klassenrat, Kinderparlament
  • Evaluation als ständiger Prozess und als Beteiligungsmaßnahme mit Kindern
  • Lernen durch gute Praxis, durch Nachahmen
  • Externe Berater werden als sehr hilfreich empfunden, um den Prozess zu unterstützen

    Moderation: Stefanie Pistor, Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München und Hiltrud Wöhrmann, Institut für soziale Arbeit e.V. Münster

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