Salon 4: Besonderheiten ländlicher Räume

Fachtag-Salon4
© DKJS | Jan Kulke

Die Kooperation von Schule und außerschulischen Partnern bereichert den Schulalltag von Schülerinnen und Schülern. Die Vorteile liegen auf der Hand. Doch die konkrete Zusammenarbeit im ländlichen Raum stellt die Beteiligten zuweilen vor große Herausforderungen. Worin liegen besondere Risiken und Chancen in der Überschaubarkeit ländlicher Gemeinden?

Stephanie Hilt, Schulleitung Niedschule Hemmersdorf (Saarland)

Sabine Feld, Pädagogische Leitung der Nachmittagsbetreuung Niedschule Hemmersdorf (Saarland)

Monika Leblang, Koordinatorin Freiwillige Ganztagsschulen des DRK Kreisverbandes Saarlouis (Saarland)

In der Kooperation zwischen der Niedschule Hemmersdorf und dem Träger DRK Kreisverband Saarlouis geht es um die Verbindung von Leitlinien, Regeln und Grundsätzen als Grundlage für die pädagogische Arbeit sowohl im Vormittags- als auch im Nachmittagsbereich. Dabei geht es darum, die Lage im ländlichen Raum nicht als Problem zu sehen, sondern als pädagogische Chance für eine kindgerechte Gestaltung des Ganztags zu nutzen. Im ländlichen Raum Kooperationspartner zu finden, ist für viele Ganztagsschulen schwierig, denn ihre Zahl ist begrenzt und die Nachfrage der Schulen groß.

Die Niedschule Hemmersdorf ist eine „Freiwillige Ganztagsschule“ (FGTS) im ländlichen Raum. Die Klassenstärke liegt bei 17 bis 21 Kindern, wobei insgesamt 25 Kinder mit Förderplan dabei sind. Die Schule hat einen musikalischen Schwerpunkt und Noten gibt es erst ab der 3. Klasse. Nachmittagsbetreuung wird in einer Gruppe mit „kurzem Betreuungsangebot“ von 12:30 bis 15:00 Uhr und in 3 Gruppen mit „langem Betreuungsangebot“ von 12:30 bis 17:00 Uhr unterschieden. Für dieses Nachmittagsangebot sind sowohl Lehrkräfte als auch pädagogische Fachkräfte gemeinsam verantwortlich. Zusätzlich betreut der Träger DRK Saarlouis in der Gemeinde drei Freiwillige Ganztagsschulen. Eines der größten Probleme der Gemeinde sei die schlechte Infrastruktur, weshalb es Eltern häufig an Flexibilität mangelt.  Derzeit nehmen 83 Kinder die Nachmittagsangebote wahr und der Bedarf an Nachmittagsbetreuung ist nach wie vor steigend. Ein weiteres Problem sei die fehlende Kommunikation zwischen Lehrkräften und der Nachmittagsbetreuung. Als Lösungsversuch wurde sich hierfür gezielt mehr Zeit genommen. Lehrkräfte mit einem „veralteten Verständnis“ ihrer Tätigkeit (endender Unterricht sei gleichbedeutend mit Feierabend), wurden stärker in die Pflicht genommen.

Die Lösungsansätze der FGTS sind vielfältig. Beispielsweise macht sie sich ihre geografische Lage mitten in der Natur zu Nutze. Freispiel ist hier ein gemeinsamer Nenner der pädagogischen Arbeit. Der Schwerpunkt der Nachmittagsbetreuung liegt auf Natur und Umwelt und wird mit verschiedenen Unterrichtseinheiten unter anderem im „Unterrichtsgarten“ verknüpft. Bei der FGTS liegen die Gebäudeteile der Nachmittagsbetreuung und der Schule nah beieinander, sodass keine Straßen überquert werden müssen. Die gewonnene Zeit verbesserte die Kommunikation zwischen Lehrkräften und Nachmittagsbetreuung und hat dazu geführt, dass an einem Strang gezogen wird und gemeinsame Entscheidungen getroffen werden. Eine Teilnehmerin fasste diese Thematik mit der Aussage: „Das Kind am Vormittag ist kein anderes als das Kind am Nachmittag“ zusammen. Derzeit wird an der konzeptionellen Verschriftlichung des Informationsaustausches gearbeitet, damit auch die Eltern besser darüber informiert werden können, welche Aktivitäten stattfanden. Kinder können über die Nachmittagsbetreuungsangebote in einem einmal wöchentlich stattfindenden Schülerrat bzw. Kinderrat mitbestimmen.

Die FGTS ist in der Gemeinde sehr gut vernetzt. So entsteht zwischen der Schule und den Vereinen ein „großes Wir-Gefühl im ländlichen Raum“. Einer der Erfolgsfaktoren für die gute Kooperation sei der „wertschätzende Umgang auf Augenhöhe“. Auf die Frage, wie die Schule mit der Fachkräftegewinnung und dem Vereinssterben umgeht, ist die Antwort: Engagement. Gezieltes Anfragen bei den wenigen Vereinen sei hier der Schlüssel. Fachkräftegewinnung ist ein großes Problem, dem mit Mittelakquise über Fördervereine begegnet wird, dennoch würden Fachkräfte auf allen Ebenen fehlen.

Moderation: Valeska Pannier, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung