Projektunterricht entfaltet selbständiges Lernen

Im Projektunterricht lernen Schüler eigenen Fragen nachzugehen. Dafür brauchen sie Methodenwissen und eine Umgebung, die selbständiges Arbeiten möglich macht. Doch an vielen Schulen ist diese Art des Lernens immer noch ein "ungeliebtes Kind".

Diese Vorgehensweise enthält zahlreiche „Unbekannte“, wie etwa: Passen die erzielten Lernergebnisse in die Lehrplanforderungen, qualifiziert sich der Schüler entsprechend den zentralen Prüfungsvorgaben und nicht zuletzt die Frage: Macht jeder richtig mit?

Thomas Unruh und Susanne Petersen nennen Merkmale des selbständigen Lernens und fassen Methoden und Gründe zusammen, die Verantwortung für Lernen an den Schüler zu übergeben.

Fragt man Lehrerinnen und Lehrer danach, ob sie Projektunterricht gut finden, dann wird mit „Ja, selbstverständlich!“ geantwortet, doch sofort ein „Aber!“ nachgeschoben. Und es folgt der Hinweis auf die zu hohe Belastung für Schulorganisation und Begleitung. Zu Beginn der Ganztagsschulbewegung wurde immer wieder betont, dass mit der Ganztagsschule auch die Ressourcen in Bezug auf Zeit, Raum und Personal besser werden. Aber selbst dort, wo diese Verbesserungen eingetreten sind, ist das Projektlernen ein nach wie vor „ungeliebtes Kind“.
 

Projektlernen ist nicht alltagstauglich?

Vor allem die Lehrerinnen und Lehrer meinen, dass Projektlernen viel zu komplex ist, um Alltag zu werden. Die Ideen, die sie mit dem Projektunterricht umsetzen wollen, sind meist ambitionierte Vorhaben, die bezüglich ihrer Ergebnisse auf keinen Fall als „Alltagsgeschäft“ betrachtet werden.
Aus der Praxis
Die Willy-Brandt-Schule Magdeburg erprobt die Integration von Projektunterricht in den Schulalltag öffnen 
Das Theaterstück zum 50-jährigen Bestehen der Schule, die Studienfahrt nach Rom, die Umgestaltung des Schulhofes, die Literaturverfilmung von Effi Briest. Bei diesen Vorhaben geht es immer um ein zusätzliches (!) Engagement von Lehrerinnen und Lehrern, aber nicht um das Alltagsgeschäft, um das „Lernen Lernen“.
 
Schulen platzieren Wissen über „Wie lerne ich in einem Projekt“ in sogenannten „Methodenwochen“. Die Schüler lernen dann, dass man sich in Gruppen teilt und Meilensteine entwirft, danach diese dann in Arbeitsgruppen umsetzt. Am Ende werden die Ergebnisse präsentiert. Nach einer Methodenwoche antwortete Elisa (14) an einer Berliner Schule, „dass wir das eigentlich schon machen“. Auf die Frage „Wo?“ antwortete sie: „Im Deutschblock, da lernen wir in Gruppen, wobei wir da nach Aufgaben arbeiten, die der Lehrer uns übergibt.“ Das abwechslungsreiche Lernen in den Unterrichtsblöcken ist mittlerweile von kooperativen Lernphasen und anderen Formen des selbstständigen Lernens geprägt, es ist jedoch nicht mit dem Projektlernen zu vergleichen. Denn Projektunterricht geht darüber hinaus und gliedert sich in Phasen, die durch die Mitglieder einer Lerngruppe bzw. Klasse selbstständig zu bewältigen sind.
 

Zeitzonen für Projektlernen

Einige Schule nutzen mittlerweile die Zeitzonen des Wahlpflichtunterrichts und lassen unter Fachthemen den Schülern freien Lauf. Klassisch bezeichnet ist das Fach Geographie als Wahlpflicht-Unterricht ein geeigneter Oberbegriff, um z.B. die eigene Stadt auf der Basis der Projektmethode zu erforschen. Bevor die Schüler eigene Fragen zum Thema entwickeln, bearbeiten sie ihre Vorstellungen zum Selbstkonzept und bilden auf dieser Basis belastbare Teams, in denen jeder Schüler einen für sich geeigneten Platz findet. Nach abgeschlossener Teambildung können durch ein Brainstorming und der thematisierten „Suche nach Fragen“ facettenreiche Lernherausforderungen auf die Teams verteilt werden. Dann gilt es „nur noch“ geeignete Arbeitsschritte zu entwickeln und die selbstständige Arbeit beginnt mit selbstständig entwickelten „To-Do“ Listen, die wie „Checklisten“ das Lernhandeln der Schüler strukturieren. Der Lehrer muss bei diesen Vorbereitungen lediglich auf die Qualität achten und sensibel nachsteuern. Oder einfach nur loben. Um die Entwicklung geeigneter Fragen zu unterstützen, kann er sich beteiligen und mit Querverweisen aus dem „gesetzten Unterricht“ Bezüge schaffen und Horizonte aufzeigen. Wenn das erfolgt, ist der Einzug in den Fachunterricht wesentlich leichter und erhöht die Leistungsbereitschaft der Schüler.
 

Rollenmerkmale

So entwickelter Unterricht entbindet den Lehrer von der Vorplanung. Seine Aufgabe wird es sein, methodische Sicherheit zu vermitteln, den Schüler bei der Entwicklung eines Leistungsprofils zu unterstützen und ihn zu bestärken, in eine für ihn geeignete Arbeitsgruppe einzusteigen. Als Lernleistungen können gelten:
  • Selbstanalyse in Bezug auf die Themenstellung
    Realistische Einschätzung von Stärken und Potentialen
  • Gruppeneinwahl anhand eines Teilthemas
    Bezugnahme auf Interessen, Stärken und Potentiale
  • Individueller Leistungsplan
    Bezugnahme auf verantwortete Arbeitsschritte
  • Logbuch
    Qualität der Beschreibung individueller Arbeit
  • Ergebnisse
    Qualität der Ergebnisse in Bezug auf die geleisteten Arbeitsschritte

Eingebettet in den Alltag

Ist Projektlernen in den Alltag eingebettet, muss dieses genauso unterbrochen werden, wie auch das fachunterrichtliche Lernen. Um immer wieder an das schon Geleistete und Erarbeitete anknüpfen zu können, werden die Schüler mit geeigneten Instrumenten vertraut gemacht. Nicht nur fortschrittlich, sondern vor allem geeignet ist der Einsatz einer Plattform. Wegen der dauerhaften Verfügbarkeit im Internet kann die Arbeit zum einen zu beliebiger Zeit an beliebigem Ort fortgesetzt werden. Vor allem aber kann auch der Stand der Arbeit festgehalten und im nächsten Zeitfenster wieder aufgerufen werden. Eine solche Sicherung kann natürlich auch mit einem Projekthefter bzw. einem Projektbuch geschehen. In diesem sollte anhand der Arbeitsgruppen und deren Arbeitsschritten der „Ist-Stand“ notiert werden. Für diese Management-Aufgaben brauchen die Schüler Zeit und wiederholte Ermahnung.
 
www.ganztaegig-lernen.de