Das Portfoliokonzept im Unterricht

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In diesem Beitrag werden das Kernkonzept des Portfolioansatzes und die dafür notwendigen Lehrkompetenzen dargestellt. Portfolios wurden im Bildungsbereich in den 80er Jahren als Alternative zu den damals in den USA bereits weit verbreiteten und immer häufiger kritisierten Testungen der Schülerleistungen entwickelt. In Österreich „erfand“ Rupert Vierlinger – ungefähr zeitgleich und unabhängig von den amerikanischen Entwicklungen – auf Grund seiner Kritik der Leistungsbeurteilung mit Ziffernnoten die „direkte Leistungsvorlage“.

Sie entspricht im Wesentlichen dem Portfoliokonzept: Schülerkompetenzen, vor allem auch höhere kognitive Funktionen und dynamische Fähigkeiten, werden in möglichst authentischen Situationen erfasst und dargestellt (Vierlinger 2006). Das Portfoliokonzept entspricht in vieler Hinsicht den didaktischen Paradigmen des Kognitivismus und des Konstruktivismus (Hofmann 2000). Thomas Häcker (2006a, S. 31) stellt zudem die Anschlussfähigkeit des Portfoliokonzepts an die Theorie der multiplen Intelligenzen Howard Gardners, an die Theorie der Selbstwirksamkeit Albert Banduras sowie an die Selbstbestimmungstheorie Edward Decis fest.

Das Kernkonzept des Portfolios

Das Kernkonzept des Portfoliobegriffs wird im Wesentlichen durch folgende Aspekte bestimmt:

  • Kompetenzdarstellung
    Im Portfolio wird das eigene Können anhand selbst ausgewählter Lern- oder Leistungsprodukte dargestellt.
  • Selbstbestimmung
    Die Lern- bzw. Leistungsprodukte entstehen im Verlauf möglichst selbstbestimmter Lernaktivitäten. Das erfordert Freiräume bei der Entscheidung von Zielen, bei der Planung und Durchführung der Lernaktivitäten sowie bei deren Evaluierung.
  • Verbindung von Produkt und Prozess
    In den Portfolios werden gleichermaßen die Lernprodukte und -prozesse sichtbar. Die Verbindung von Produkt- und Prozessdarstellung wird durch (Selbst-)Reflexionen hergestellt. Diese bewirken und fördern einen bewussten Lernkompetenzerwerb neben dem Fachkompetenzerwerb.

Eine alternative Methode der Leistungsbeurteilung und ein umfassendes Unterrichtskonzept

Heute werden Portfolios sowohl als Alternative zu den herkömmlichen Formen der Leistungsbeurteilung als auch wegen ihrer Innovationskraft zur Veränderung des Unterrichts in Richtung erhöhter Lernförderung und Schülerorientierung eingesetzt. So werden immer öfter Portfolios unter Beibehaltung der Ziffernbeurteilung als effektives Lehr-Lern-Instrument verwendet. Weil in die Beurteilungen auch Selbsteinschätzungen der Schülerinnen und Schüler eingehen und die Sachnorm eine größere Rolle spielt, erhält die Ziffernbeurteilung durch die Portfolios eine neue Qualität (Winter 2004).

Dem Kernkonzept entsprechend definiert Thomas Häcker (in Anlehnung an Paulson u. a.) Portfolio wie folgt:

„Ein Portfolio ist eine zielgerichtete Sammlung von Arbeiten, welche die individuellen Bemühungen, Fortschritte und Leistungen der/des Lernenden auf einem oder mehreren Gebieten zeigt. Die Sammlung muss die Beteiligung der/des Lernenden an der Auswahl der Inhalte, der Kriterien für die Auswahl, der Festlegung der Beurteilungskriterien sowie Hinweise auf die Selbst reflexion der/des Lernenden einschließen.“ (Häcker 2006b, S. 36)

Einsatzgebiete

Die Einsatzgebiete des Portfolios und seine Verwendungen in verschiedenen pädagogischen Arbeitsfeldern sind sehr vielfältig. Die Lehrperson entscheidet gemeinsam mit ihren SchülerInnen, für welche Zwecke das Leseportfolio eingesetzt wird. Mögliche Funktionen sind:

  • Lehr-Lern-Instrument
    Didaktischer Lernbegleiter während der gesamten Schulzeit beim Erwerb von Fach- und Lernkompetenzen
  • Diagnoseinstrument
    Grundlage für die Erstellung individueller Fördermaßnahmen
  • Entwicklungsinstrument
    Sichtbarmachen der Lernfortschritte
  • Leistungsfeststellungsinstrument
    Mögliche Grundlage für die Beurteilung der Leistungen des Kindes in bestimmten Fach- bzw. Lehrplanbereichen im Rahmen der Beobachtung der Mitarbeit
  • Beurteilungsinstrument
    Alternative Beurteilungsform
  • Unterrichts- und Schulentwicklungsinstrument
    Veränderung bzw. Weiterentwicklung der Lehr- und Lernkultur

Arbeitsmaterial für die Einführung und Arbeit mit Portfolios

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Von: Dr. Elfriede Schmidinger

Datum: 15.03.2010
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