Veränderung braucht Zeit - Schulentwicklung gemeinsam gestalten an der Ganztagsschule Ritterhude

Kinder lernen draußen gemeinsam
(c) Shutterstock
Daten und Fakten
Schulform: Grundschule Ganztagsschulform: offen Schülerinnen und Schüler: 345 Lehrkräfte: 36
Weiteres päd. Personal: 23
Ganztagsschule seit 2009

Schulentwicklungsschritte sind an der Ganztagsgrundschule Ritterhude auf lange Sicht angelegt. So werden die Arbeitsschwerpunkte immer für eine Gesamtlaufzeit von drei Schuljahren geplant, Meilensteine vereinbart, Maßnahmen verabschiedet und die (Zwischen)ergebnisse evaluiert.
Seit dem Schuljahr 2014/2015 beschäftigt sich das Kollegium damit eine „Lernkultur ohne Brüche“ zu etablieren. Dabei geht es einerseits darum, pädagogische Unterrichtsstandards im Bereich des selbstgesteuerten Lernens für alle Klassen, von der ersten bis zur vierten, einzuführen. Weiterhin zielt dieses Vorhaben darauf ab, den Übergang aus der Eingangsstufe, den Jahrgangsstufen eins und zwei, in die dritte Jahrgangsstufe zu erleichtern. In der Eingangsstufe dominieren geringer Leistungsdruck und eine spielerische Herangehensweise an schulische Inhalte. Ab der dritten Klasse steigern sich der Notendruck und die Leistungsorientierung, bedingt durch die ersten Notenzeugnisse im ersten Schulhalbjahr und den nahenden Übergang in die weiterführenden Schulen. Dieser Bruch sollte zum einen für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für die beteiligten Lehrkräfte geschlossen werden.
Um eine gemeinsame Strategie für die „Lernkultur ohne Brüche“ zu entwickeln, war es wichtig, alle betreffenden Lehrkräfte an einen Tisch zu bekommen. Alle Perspektiven sollten in den Prozess einfließen, die der Lehrerinnen und Lehrer der Schule sowie die der Schulleitung. Den Rahmen für Austausch und Diskussion gibt das klassische Format der Dienstbesprechungen.

Lernkultur ohne Brüche

Bevor jedoch im Schuljahr 2014/2015 ein Maßnahmenpapier geschrieben und erste Meilensteine für die kommenden Schuljahre bis 2016/2017 festgelegt werden konnten, war einiges an Vorbereitung nötig.
Zunächst fand ein pädagogischer Austausch der Lehrkräfte aus den Jahrgängen 1/2 und 3 und 4 statt. Sie diskutierten in Teams ihre wahrgenommene Lehrer-/Lehrerinnenrolle entlang der Thematik des selbstgesteuerten Lernens. Wie können sie hierzu beitragen? Was hat sich bewährt, wo muss nachgesteuert werden? Gibt es konkrete Beispiele aus dem aktuellen Arbeitsalltag? Die Ergebnisse wurden von den Teams protokolliert und vom Leitungsteam – Schulleiterin, Konrektorin, Ganztagskoordinatorin und zwei Stufenleiterinnen aus den Stufen 1/2 und 3/4 – aufbereitet und davon ausgehend Arbeitsaufträge für die nächste Sitzung formuliert.
In der nächsten Dienstbesprechung ging es um den Austausch in den Schulfamilien. Die Schulfamilien bestehen aus zwei Klassen der Eingangsstufe, einer dritten und einer vierten Klasse. Davon gibt es insgesamt vier. Zentraler Diskussionspunkt war hier der Übergang von der Eingangsstufe in den dritten Jahrgang. Wie kann der Übergang gerahmt werden? Gibt es gemeinsame Rituale? Was kann von den unterschiedlichen Jahrgängen von anderen übernommen und berücksichtigt werden? Wie sieht die Verankerung in der Elternarbeit aus?
Nach zwei weiteren Treffen, in denen die Ergebnisse der vorangegangenen Treffen zusammengefasst und diskutiert wurden, kristallisierten sich die Maßnahmen heraus: Die Abschaffung der Halbjahreszeugnisse im dritten Jahrgang, mehr Austausch der Schulfamilien untereinander und gemeinsame Regeln und Rituale bzw. die Fortführung von Ritualen aus der Eingangsstufe. Hierzu zählt z.B. die Selbst- und Fremdreflexion, die in der Eingangsstufe einen festen Platz hat und nun auch im dritten und vierten Jahrgang fortgesetzt wird. Im Bereich des Unterrichts wurde vereinbart, mehr jahrgangsübergreifendes Lernen und ein aufeinander aufbauendes Methodenlernen zu ermöglichen, das die Selbständigkeit der Kinder in ihren Lernprozessen unterstützt. Zudem haben Lehrkräfte mit einer analogen Lernlandkarte ein Instrument für das selbstgesteuerte Lernen entwickelt, das Unterschiede in Leistungsfähigkeit, Lerntempo, Lernwegen und Interessen der Kinder berücksichtigt und deren Eigenaktivität steigert. Diese Lernlandkarte wird nun mit Unterstützung der Qualitätsinitiative „Beste Bildung“ im Landkreis Osterholz und sichtweise.beratung digitalisiert, um noch passgenauer die individuelle Lernentwicklung der Kinder in den Blick zu nehmen.
Nach einer Bestandsaufnahme am Ende des Schuljahres hat sich das Kollegium für das Schuljahr 2015/2016 neue Ziele für die „Lernkultur ohne Brüche“ gesteckt. Nach dem selbstgesteuerten Lernen soll nun verstärkt das kooperative Lernen in den Blick genommen und es sollen Erfahrungen hierzu ausgetauscht werden. Am Ende sollen auch hier gemeinsame Standards für den Unterricht festgelegt werden. Für das zweite Halbjahr ist als Meilenstein ein Projekttag geplant, an dem alle Schülerinnen und Schüler einer Schulfamilie jahrgangsgemischt und fächerübergreifend zusammen an einem Thema arbeiten.

Weiteres Vorgehen: gemeinsam und kontinuierlich!

Schulentwicklung und die Weiterentwicklung von pädagogischen Konzepten gehen an der Ganztagsschule Ritterhude alle an. Zudem lässt sich die Schule dabei die Zeit, die nötig ist, plant Zwischenschritte ein, die in ihrer Wirkung evaluiert werden um darauf aufbauend die nächsten Schritte zu planen. Veränderungen brauchen Zeit.
Im Fokus stehen immer die Kinder und ihre Lernprozesse. Ein Ziel der Ganztagsschule ist eine einheitliche Lernkultur: „Die Schüler/innen der Ganztagsschule Ritterhude sind am Ende des 4. Schuljahres im Rahmen ihrer Möglichkeiten in der Lage, selbstbestimmt geeignete Strategien auszuwählen und umzusetzen sowie ihren Lernprozess selbst zu überwachen, zu regulieren und zu bewerten und dabei ihre Motivation aufrecht zu erhalten“. Dafür ist es wichtig, dass die Lehrerinnen und Lehrer der einzelnen Klassen und Schulfamilien eng zusammen arbeiten und ihre Arbeit aufeinander abstimmen. Das passiert durch aktive Einbindung in Entscheidungs- und Evaluationsprozesse in Dienstbesprechungen und durch Absprachen in den Schulfamilien. Für fachlichen Input wird gerne auch Beratung und Unterstützung von externen Schulberaterinnen und Schulberatern herangezogen, z. B. wurden die Schulfamilienkoordinatorinnen und Schulfamilienkoordinatoren in ihrer Führungsrolle gecoacht und eine SchiLF zum kooperativen Lernen durchgeführt.
Gemeinsam Schulentwicklung gestalten ist das Leitmotiv der Ganztagsschule Ritterhude als lernende Organisation.

Adresse
Jahnstr. 2-4, 27721 Ritterhude
ganztagsschule-ritterhude@ewetel.de

Material zum Download

Lernkultur an der Schule

Lernentwicklung

Lernhaus der Schule

Lernlandkarte

Reflexionsbogen

Selbstreflexionsbogen