Stammgruppen und Mehrpädagogensystem – Inklusion an der freien Grundschule SteinMalEins in Jena

Stammgruppen und Mehrpädagogensystem
(c) shutterstock
Daten und Fakten
Schulform: Grundschule in freier Trägerschaft
Ganztagsschulform: gebunden Schülerinnen und Schüler: 160 Lehrkräfte: 15
Weitere päd. Personal: 20

Die freie Ganztagsgrundschule SteinMalEins hat sich zum Ziel gesetzt, eine „Schule für alle“ zu sein, vom hochbegabten Kind bis zum Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Im Zentrum der pädagogischen Arbeit steht deshalb das jahrgangsübergreifende Lernen der Schülerinnen und Schüler aller vier Klassenstufen. Außerdem soll jedem Kind – ob mit oder ohne sonderpädagogischem Förderbedarf – ermöglicht werden, seine individuellen Fähigkeiten und Erfahrungen einzubringen und sich im Zusammenspiel mit den anderen auch gegenseitig zu unterstützen. Dafür bedarf es einer Rahmung, die Sicherheit und Verlässlichkeit bietet: Das Stammgruppenprinzip und das Mehrpädagogensystem.

Stammgruppen und Lernkreise

Die Kinder lernen an der gebundenen Ganztagsgrundschule in altersgemischten „Stammgruppen“. Jeweils 18 bis 20 Kinder der ersten bis vierten Jahrgangsstufe bilden eine solche Stammgruppe. Bis zu fünf der Kinder haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf. Täglich von 8 bis 11:30 ist Stammgruppenzeit, in der die ganze Gruppe zusammen kommt, gemeinsam lernt und Rituale pflegt. Begleitet werden die Kinder von einem multiprofessionellen Stammgruppenteam, bestehend aus Grundschullehrkräften, Sonderpädagoginnen und -pädagogen, sowie Integrationshelferinnen und -helfern.
Unterrichtet wird mit reformpädagogischen Methoden offenen Unterrichts. Es gibt thematische Kreise für die ganze Gruppe, wie Singen oder Erzählen, aber auch Lernkreise für Kleingruppen, in denen neuer Lernstoff eingeführt wird. Diese Lernkreise werden nach individuellem Lernstand – nicht nach Jahrgangsstufe – gebildet. Daneben arbeiten die Kinder gemeinsam oder individuell an ihren „Lernplänen“, einer abgewandelten Form des Wochenplans. Wichtig ist hierbei neben der Aneignung von Fachwissen das „Lernen lernen“. Sie lernen nach und nach, ihre Aufgaben selbstständig zu planen und zu bearbeiten. Dem legen sie ihr individuelles Tempo zu Grunde und entscheiden, ob sie alleine oder mit anderen zusammen lernen wollen. Hinzu kommen die Selbsteinschätzung der eigenen Arbeit sowie der der anderen. Der Lernfortschritt wird am Ende der Stammgruppenzeit in einem dafür vorgesehenen Heft dokumentiert. Ca. einmal wöchentlich schreiben die zuständigen Lehrkräfte eine Reflexion zu Lernergebnissen bzw. Arbeitsverhalten dazu. Auch Kinder und Eltern werden regelmäßig um ihre Einschätzung gebeten. In die Stammgruppenzeit fallen auch sonderpädagogische Maßnahmen sowie Unterstützungsangebote für die Kinder mit Förderbedarf.

Mit- und voneinander lernen

Inklusion bedeutet für die SteinMalEins Grundschule, dass alle Kinder mit ihren unterschiedlichen Entwicklungsvoraussetzungen, Bedürfnissen und Begabungen zusammen lernen. Grundlegend ist dabei die Anerkennung und Wertschätzung der individuellen Kompetenzen der Kinder. Auf Fähigkeiten und Neigungen sowie das Lerntempo der Schülerinnen und Schüler wird flexibel eingegangen: Die Schülerin Mirja zum Beispiel konnte im zweiten Schulhalbjahr nach der Einschulung bereits mit den Schülerinnen und Schülern der zweiten Jahrgangsstufe rechnen. Das Gelernte gab sie an ihre gleichaltrigen Mitschülerinnen und Mitschüler weiter und verfestigte damit ihr Wissen. In Deutsch wiederum nahm sie die Lehrerimpulse des eigenen Jahrgangs auf.
Das gemeinsame Lernen in Stammgruppen gibt dem Schultag eine verlässliche Rahmung. In diesen Stunden kommt die Gruppe zusammen und lernt von- und miteinander. Die Kinder erleben sich in ihren vielen unterschiedlichen Facetten, lernen Toleranz und die Anerkennung von Vielfalt. Das stärkt den Gruppenzusammenhalt und bietet Geborgenheit, bevor im Anschluss auch anders zusammengesetzte Lerngruppen zusammen kommen, wie beispielsweise die Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Jahrgangsstufe zum Englischunterricht.
Durch die unterschiedlichen Professionen des Stammgruppenteams und deren jeweilige Sicht- und Arbeitsweisen entstehen Synergieeffekte. Gemeinsam ist ihnen dabei der wertschätzende Blick auf die Kinder: Individuelle Förderangebote und Herausforderungen sollen die Kinder darin befähigen, ihre Potenziale zu entfalten und sich auch gegenseitig zu bereichern. „Mittelpunkt unserer pädagogischen Arbeit ist es, Lebenszusammenhänge herzustellen, in welchen sich Kinder mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Neigungen, mit ihren Motiven, Fragen und Zielvorstellungen handelnd begegnen und erleben können“, fasst Schulleiter Wolfram Böhme den Kern des pädagogischen Konzepts zusammen.

 

Adresse
S.-Bohl-Str. 2, 07747 Jena und Burgauer Weg 1a, 07745 Jena grundschule@querwege.de

Material zum Download

Präsentation Schule