Schule mit viel Gegacker

Projektdaten

Klassenstufen: alle
Anzahl der Schüler: alle
Anzahl der Lehrer: alle
Fachbereiche: alle
Wochenstunden: alle

Es flattert, summt und wuchert wild in der GS Baumschulenweg: Sie verlegt den Schulalltag nach draußen. Und so werden Großstadtkinder zu echten Experten in Sachen Hühnerhaltung, Bienenzucht und Gemüseanbau

Das Projekt

Mit der Einführung der Ganztagsschule im Jahr 2004 haben wir eine ideale Form zur freieren Unterrichtsgestaltung und zu einem perfekten Zusammenspiel von drinnen und draußen gefunden. Bienenstöcke, Teich, Wäldchen mit Totholz, Schrebergarten, oder Gartenpumpe – das sind Projekte, die wir ins Leben gerufen haben. Das wahrscheinlich Wichtigste: Wir holten Hühner auf den Hof! Die größte Besonderheit ist wohl der ständige Rollenwechsel bei der Betreuung der Projekte. Oftmals wird der Lehrer zum Schüler, weil die Kinder sich viel schneller mit den neuen Gegebenheiten zurechtfinden. Beispiel Hühner: Bislang traut sich nur ein Lehrer, den Hühnern die Krallen zu schneiden, und nur wenige gehen ohne Angst in den Stall, wenn die Hühner aufgeregt umherflattern. Beispiel Bienen: Während die Lehrerin, die sich um die Bienen kümmert, nur im Schutzanzug an die geöffneten Waben geht, trauen sich einige Kinder, ohne Schutz zu arbeiten. Sie haben nicht nur gelernt, sich so ruhig wie ein Imker zu verhalten, sondern wissen auch, dass ein Bienenstich nicht schmerzhaft ist wie ein Wespenstich. Beispiel Teich: Wir wussten gar nicht, dass Kinder sich so lange ruhig hockend an einem Teich aufhalten können. Wir haben die Ufergestaltung unseres Schulteichs so gewählt, dass möglichst viele Kinder am Ufer sitzen können. Solche Beobachtungsstunden bieten uns eine willkommene und lehrreiche Ruhe. Durch die vielfältigen Tätigkeiten im Außenbereich haben wir die Möglichkeit, lernschwache oder sehr aktive Schülerinnen und Schüler aus dem Vormittagsunterricht herauszunehmen und mit den beliebten Aufgaben draußen zu betreuen. Am Nachmittag erhalten sie dann eine optimale Nachbetreuung in ihren schwächeren Fächern.

Der Auslöser

Der Unterricht im Klassenraum wurde bei uns schon immer durch zusätzliche Erfahrungen aufgelockert: Wandertage, Ausflüge, Besuchsprogramme – doch das reichte uns nicht. In einer großen Stadt wie Bremen ist es nicht überall selbstverständlich, Tiere vor seiner Haustür zu halten. Höchstens dahinter: einen Hamster oder ein Kaninchen. Aber ein Nutztier auf dem Hof? Deshalb unser Ansatz: Wir wollten Tiere in der Schule – aber nicht zum Kuscheln. Das Kollegium war sich einig, dass es Nutztiere sein sollten, damit Kinder den Nutzen für den Menschen erkennen können und lernen, Verantwortung zu übernehmen und mit allen Konsequenzen wie Aufzucht, Schlachtung und Verzehr umzugehen. Das reicht von der Planung und Übernahme des Futterdienstes in den Ferien bis zur regelmäßigen Kontrolle der Tiere im Winter. Eigentlich sollten es mal Ziegen sein. Doch für den Anfang war das ein zu großes Projekt. Allein der geplante Berg aus Geröll ließ uns vorerst – nicht für immer – Abstand nehmen. Wir entschieden uns für neun Hühner und einen Hahn. Inzwischen haben wir die Zahl verdoppelt, und es sind auch noch zwei Bienenvölker hinzugekommen.

Der Weg

Um überhaupt zu sehen, was möglich ist, haben wir Kontakt zu Expert/innen aufgenommen. Dabei stand uns besonders der NABU zur Seite. Viele der inzwischen umgesetzten Projekte kamen nur durch den engen Kontakt mit den Biologen zustande. Doch auch Kleingartenverband, Imkerbund und Einzelhändler haben immer wieder geholfen. Schon während des normalen Schulbetriebs entwickelte sich bei den Kindern eine Fürsorgepflicht, die sich nach der Umstellung auf den Ganztagsbetrieb noch steigerte. Wer will da schon heimgehen! Zurzeit haben wir zwei Hühnerhöfe. Die Küken haben wir direkt von einem Bauern außerhalb Bremens gekauft. Wir haben uns beraten lassen, welche Rasse geeignet ist, um auch als Freilandhuhn bei Wind und Wetter glücklich zu werden. Die Betreuung ist trotz des Mehraufwands viel einfacher – denn wir haben ja nicht nur den Vormittag. Von der Aufzucht der Küken über das Füttern und Sammeln der Eier bis zur Schlachtung der Hühner – auch die gehört dazu – haben die Kinder den Kontakt zu den Hühnern und lernen den Nutzen der Tiere kennen. Der Verkauf der Eier hat Schüler/innen, Lehrer/innen und Eltern inspiriert, auch andere Produkte zu erzeugen. Durch die Kontaktaufnahme zum Bremer Lehr- und Versuchsgarten (Kleingartenverband) konnten uns kompetente Menschen zur Seite gestellt werden, und nach mehreren Besuchen der Schule machten sie uns den Vorschlag, einen Schrebergarten in Schulnähe zu übernehmen. Seitdem verkaufen wir im Sommer auch selbst bestellte Bohnen, Kartoffeln und Blumen auf dem Wochenmarkt. Der Kontakt zum Lehr- und Versuchsgarten brachte uns mit einem Imker zusammen, der wiederum nach vielen Gesprächen überzeugt war, unsere Kinder seien reif für Bienen. Inzwischen verkaufen wir auch den von unseren zwei Bienenvölkern erzeugten Honig. In der Winterzeit bieten unsere Kinder auf dem Markt ihre Bastelsachen aus dem Unterricht an. So bleibt der Matheunterricht für die Kleinen nicht nur Theorie. Die Verwaltung der einzelnen Klassenkassen und der Schulkasse mit allen Einnahmen erfordert die praktische Umsetzung des erlernten mathematischen Wissens. Den Verkauf unserer Produkte ermöglicht die Kooperation mit dem Markthändler eines Wochenmarktes in der Nähe unserer Schule. Das bedeutet natürlich am Freitag für einige Schüler/innen Unterrichtsausfall, weil sie mit am Stand verkaufen. Der Ganztagsbetrieb fängt diese Fehlstunden auf. Aus dem Erlös vom Wochenmarkt ist es uns möglich, den Hühnerbetrieb kostendeckend zu führen. Der Bau und die Instandhaltung des Hühnerstalls hat private Mittel und Einsatz aus der Elternschaft benötigt. Unsere Präsenz auf dem lokalen Wochenmarkt hat gezeigt, dass nicht nur der Umgang mit der Natur, sondern auch die Integration der Kinder im Stadtteil gefördert wird. Jede/r kennt unseren Polizisten, die Händler und viele der Bürgerinnen und Bürger aus unserer Gegend persönlich.

Probleme und Lösungen

Außer einem eingezäunten Gelände, das durch Elternspenden finanziert werden konnte, brauchten die Hühner auch einen Stall. Den baute ein Vater zusammen mit unserem Werklehrer. Eine weitere Spende war nötig: Für die täglich eingesammelten Eier musste ein Kühlschrank her, damit sie bis freitags zum Markttag frisch blieben. Die vielen Projekte sind nicht nur durch eigene Kraft zu stemmen. Deshalb haben wir uns früh bemüht, Hilfe von außen zu bekommen. Außerdem geht es nicht ohne Ehrenamtliche und großzügige Spenden der Eltern und Bürger/innen des Stadtteils – wie es wohl bei allen weitergehenden Ideen wichtig ist, Eltern mit in Projekte und Arbeitsgemeinschaften einzubinden.

Blitzlicht

Es passiert schon mal, auch bei einem zwei Meter hohen Zaun, dass ein Huhn abhaut. In den meisten Fällen läuft es vom Hof nur quer über die Straße zum Getränkemarkt oder Bäcker und kehrt dann abends von allein in den Stall zurück. Doch im letzten Herbst war Huhn Puschelpünktchen nicht zurückgekehrt. Die Nachricht verbreitete sich am nächsten Morgen schnell durch alle Klassen. Und ehe sich die Lehrer/innen einen Plan zurechtgelegt hatten, kam eine Schülerabordnung durch die Klassen, um Freiwillige für eine Suchaktion zusammenzustellen. Die Kinder teilten sich in Suchtrupps auf und stellten Boten bereit, die sich mit den verschiedenen Gruppen in den eingeteilten Suchgebieten austauschten. Nach knapp zwei Stunden meldeten die Kinder ihren Erfolg. Das Huhn hatte sich verlaufen. Wie selbstverständlich kamen sie danach in die Klassen zurück und holten sich von den Lehrern den verpassten Unterrichtsstoff, um am Mittag alles nachzuarbeiten

Schule

GS Baumschulenweg
Grundschule

GS Baumschulenweg Baumschulenweg 12 28213 Bremen

E-Mail: 015@bildung.bremen.de

Anzahl der Schüler*innen:

300


Anzahl der Lehrer*innen: 19
Sonstiges pädagogisches Personal:

13 pädagogische Mitarbeiter/innen

Spezieller pädagosicher Ansatz

naturkundlich-ökologisches Schulprogramm

Zeitstruktur der Woche

8-16 Uhr

Beteiligung an Netzwerken


Beteiligung an Programmen

Comenius

Beteiligung an Modellversuchen

SINUS

Beteiligung an Wettbewerben


Sozialraum

städtisch; bürgerlich

Zusammensetzung

ausgewogene soziale Mischung

Beteiligung an Besonderheiten

Kunst & Natur: Kinder gestalteten den Schulhof; Tierhaltung

Autor(en): Marcel Henninger