Zusammenspiel der Professionen

Fichtelgebirge-Grundschule

Görlitzer Ufer 2
10997 Berlin

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An der Fichtelgebirge-Grundschule arbeiten die unterschiedlichen Professionen daran, jahrgangsübergreifendes Lernen umzusetzen. Das setzt eine multiprofessionelle und gute Zusammenarbeit voraus. Die gleiche Haltung zum Kind ist dabei das Fundament für die gemeinsame Arbeit.

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Die für  das Jahrgangsübergreifende Lernen (JüL)verantwortlichen Berufsgruppen (Erzieher und Lehrer) betreuen die seit 2009 gegründeten JüL-Klassen. Mit ihnen gemeinsam steigt jedes Kind mit seinem ersten Schultag in eine altersgemischte Lerngruppe ein und kann sich dabei auf die Begleitung durch ein multiprofessionelles Team verlassen. Die zeitweise Doppelsteckung von Erziehern und Lehrern sichert den erhöhten Betreuungsbedarf. Beide Berufsgruppen haben vor der Gründung der JüL-Klassen mit unterschiedlichen Konzepten und Zeitfenstern ihre Verantwortung für Bildung und Erziehung der Kinder wahrgenommen. Jetzt engagieren sie sich im Schulterschluss für die Entwicklung der Heranwachsenden, die ab der Klasse 4 mit ihren sozialen und individuellen Lernfortschritten in altershomogene Lerngruppen wechseln, um sich damit in die weiterführenden Strukturen einzupassen.

Multiprofessionelle Zusammenarbeit

Professionen arbeiten an der Grundschule nicht nur wegen des altersübergreifenden Lernens zusammen. Für die offene Ganztagsbetreuung (OGB) engagieren sich die Pädagogen des Pestalozzi-Fröbel-Hauses (PFH). Gemäß den Anforderungen und nach Impulsen des Berliner Bildungsprogramms für die offene Ganztagsgrundschule und dem Pionierprojekt „Bildungs- und Lerngeschichten“ unter dem Early Excellence Ansatz (EEC) kooperieren diese unter Leitung von Irina Holdenried. Das PFH und die Schule haben für den OGB Funktionsräumen eingerichtet, die am Vor- und  Nachmittag besondere Lern- und Spielmaterialien bereithalten. Damit bieten sich den Kindern noch mehr Möglichkeiten in unterschiedlichen Lernumgebungen und durch vielfältigere Lernzugänge, gemäß ihren Neigungen und Fähigkeiten zu lernen.

Die Zusammenarbeit wurde gut vorbereitet. Die Qualifikationen für JüL begannen weit vor Einführung, bereits 2005. Damit wurde verhindert, dass die Zusammenarbeit von Lehrern und Erziehern „von einem Tag zum anderen“ stattfinden musste. Das mit der JüL Vorbereitung verbundene  „aufeinander Einlassen“ fiel beiden Professionen eigentlich nicht schwer, denn die Schwerpunkte waren die gleichen: Bildung und Begleitung der Lernprozesse der ihnen anvertrauten Kinder. Die Zusammenarbeit in den JüL-Klassen stellt jedoch traditionelle Rollen und Aufgabenverständnis unter den unterschiedlich ausgebildeten Professionen in die Diskussion. Der Austausch darüber ist bis heute nicht abgebrochen und ist die Ursache des leisen „Betriebsknirschens“, was positiv vernommen wird, weil es auf Bewegung und damit Fortschritt deutet.

Alltag mit förderorientierten Bewertungsformen

Die mit den JüL-Klassen entstandene Heterogenität ist nur über differenzierende Lernarrangements zu bewältigen. Die Kinder können mit geeigneten Konzepten lernen, wie sie unter den Gegebenheiten der Altersmischung ihren eigenen Lernprozess voranbringen. Obendrein geht es darum, vielfältige Lernwege  in unterschiedlichem Tempo zuzulassen. Die Expertise aus langjähriger Arbeit in schuleigener Lernwerkstatt erleichtert die Entwicklung und Umsetzung. Kommissarische Schulleiterin Dorothea Mandera: „Im Prinzip müssen wir jede dieser Klassen als eine tägliche Lernwerkstatt begreifen“, und reflektiert dabei auf das erfolgreiche Erfahrungen mit diesem Lernkonzept. Sie und ihr Steuerteam, das aus den Klassenlehrern der jeweiligen Jahrgangsstufe, den Leitern des OGB/PFH und der Schulstation zusammengesetzt ist, stehen im regelmäßigen Austausch, um neben der altersübergreifenden Lernkultur nun auch alterstaugliche Ansätze für förderorientierte Beurteilungsformen zu finden bzw. bereits vorhandene zu optimieren. Damit wird Lernentwicklung, die aus Wochenplan, Stationenlernen oder Projektunterricht entsteht, sichtbar. Einschlägige Erfahrungen sammelte das Team aus etablierter Lernwerkstatt in der die Kinder gefordert werden, Lernprozesse nicht nur zu dokumentieren, sondern auch zu präsentieren. Auf der Basis dieser Erfahrungen sollen förderorientierte Bewertungsformen in den JüL-Klassen für die tägliche Praxis eingeführt werden. Die Schritte dieser Entwicklung Reflektieren die Pädagogen im Rahmen der länderübergreifenden Netzwerkarbeit.

Differenzierter Ganztag

Durch das PFH werden seit 2005 vor- und nachmittags vielfältige Bildungsmodule angeboten. Für Eltern besteht damit die Möglichkeit, über einen „normalen“ Schultag hinaus, der um 7:30 beginnt und um 13.40 Uhr endet, in den Zeitabschnitten (6.00- 7.30 Uhr, 13.40-16.00 Uhr, 16.00-18.00 Uhr) unterschiedliche, jedoch kostenpflichtige Bildungspakete in Anspruch zu nehmen. 160 von 380 Kindern sind damit ganztägig betreut. Das Team des PFH ergänzt damit seine Angebote zum OGB. Unterschiedlichen Zeitansprüchen kann auf diese Weise gedient werden.

Auf einen Blick

Zeitstaffel der Professionen an der Fichtelgebirge-Grundschule

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* In den Jül-Klassen arbeitet die Grundschule mit den Mitarbeitern des OFG/PFH mit 9 Stunden, entweder in einer Doppelsteckung, oder mit der Option den ersten, zweiten oder dritten Jahrgang in deren Räumen zusätzlich bzw. weiter zu betreuen. Das differenzierende Arrangement wird in Abstimmung mit den Lehrern der Grundschule vorbereitet. Die Lernwerkstatt wird durch die Initiative „Haus der kleinen Forscher“ auf ein wachsendes Team zugreifen. Statt 2 werden nun 4 Pädagogen in der Lernwerkstatt Lernen begleiten.
Zusätzlich stellen wir eine Werkpädagogin PFH, die mit 21 Stunden im Unterricht gesteckt ist und an zwei Nachmittagen in der Woche werkpädagogisch für den OGB in einer Kleingruppe von max. 9 Kindern arbeitet. Einen Nachmittag für die 5-6 Klasse eine "reine" SchulAG anbietet und an den letzten zwei Nachmittagen in der Schulstation arbeitet, die auch in Kooperation mit dem PFH ist und mit einer Sozialpädagogin und einem Erzieher/in besetzt ist um Kindern die Möglichkeit zu geben, ausserhalb der kostenpflichtigen Modulen, in ihrer Schule ein Angebot am Nachmittag wahrnehmen zu können.
Somit können durch das Team des PFH alle Kinder der Grundschule ab 7.30 und bis 8.10 Uhr sowie von 12.00 bis 13.40 Uhr betreut werden. Über diese Zeiten hinaus  verlängert das PFH den Schulalltag und bietet neben OGB und Halbtagsschule, ein „Mehr“ an Bildung und Betreuung. In den unterschiedlichen Raumkonzepten des OGB/PFH bieten sich den Kindern offene Lernumgebungen, in denen diese auch entspannen, aber vor allem unterschiedlichen Lerninteressen nachgehen.

Rhythmisieren und offener Ganztag? - Zwei verschiedene Schuhe?

Von 8:10 – 13:40 würde das Team um Dorothea Mandera gerne rhythmisieren. Anspannung und Entspannung in ein alltagstaugliches Wechselspiel überführen und dabei die Möglichkeiten des OGB/PFH nutzen, darum geht es immer noch. Verbindliche Entspannungszeiten am Vormittag ziehen verbindliche Unterrichtszeiten am Nachmittag nach sich. Die Buchung der PFH – Module steht jedoch als kostenpflichtige Option und kann bei einem offen dargestellten Ganztag nicht als „verpflichtend“ gelten.
Das notwendige Zusammenspiel von Erziehern und Lehrern im Rahmen der JüL-Klassen provoziert allerdings die Idee, generell neu zu denken und praktikable Modelle der Teamarbeit von Erziehern und Lehrern für eine Rhythmisierung zu entwickeln. Dorothea Mandera wendet ein: „Rhythmisierung eines halben Tages ist sehr schwierig und ist eine Herausforderung für die gemeinsame Steuerungsrunde der offenen Ganztagsschule.“

Eltern unterstützen Eltern

Das Kollegium der Schule und das Team des PFH sind seit Jahrzehnten aktiv an Elternbeteiligung interessiert. Unter der zentralen Frage: “Was brauchen wir, um unsere Kinder unterstützen zu können?“, treffen sich Mütter und Väter in regelmäßigen Elternforen und zu thematischen Elternabenden. Elterbotschafter integrieren sich in Initiativen um und in der Schule. Diese arbeiten mit dem Bezirkselternausschuss und dem Quartiersmanagement zusammen. Um die Anliegen von Eltern noch weiter in den Fokus zu nehmen, hat sich eine „Eltern-Uni“ gegründet. Diese Forschungsgruppe untersucht auf der Grundlage eines französischen Konzepts der UPP (Französische Elternuniversität) die eigene Elternbeteiligung, um diese im Rahmen eines Internationalen Austausch zu diskutieren. Das Team der Offenen Ganztagsbetreuung arbeitet unter dem EEC, der drei Leitsätze beinhaltet:

  • Jedes Kind ist einzigartig.
  • Eltern sind die ersten Erzieher ihrer Kinder.
  • Die Einrichtung öffnet sich in den Sozialraum.
     

Bildungslandschaft

„Wrangelkiez macht Schule“ unter diesem Motto engagiert sich die Schule mit Bildungspartnern und Nachbarn.  „Bildungsprozesse gemeinsam gestalten“ bedeutet, nicht nur mit den umliegenden Kindertagesstätten zusammen zu arbeiten, sondern auch mit unterschiedlichsten Partnern. Der Schule blieb vor Jahren keine andere Wahl. Die Schule hatte gerade mal eine „Handvoll“ Anmeldungen. Viel zu viele Kinder mit Migrationshintergrund gingen in die Schule und deutsche Eltern meldeten ihre Kinder in Schulen anderer Stadtteile an. Um den Herausforderungen gerecht zu werden, brauchten Lehrer und Erzieher Unterstützung und Rückhalt im eigenen Kiez. „Wir unterhalten zahlreiche Kooperationen mit verschiedenen, außerschulischen Einrichtungen in nächster Nachbarschaft.“ Die Grundschüler können von Angeboten der Kinder- und Jugendbücherei, dem Nachbarschaftshaus „Centrum“, der Schatzinsel, dem Zirkus Cabuwazi profitieren. Die Pflege der Bildungslandschaft lohnte sich für die Schule, denn die Anmeldezahlen stiegen wieder.

Schülerbeteiligung

„Wir ermutigen unsere Kinder, ihre Interessen und Rechte wahrzunehmen“. Die Schulstation mit einem Sozialpädagogen unterstützt das Schwerpunktfach „Soziales Lernen“ in den Klassen 4 bis 6. Der BLK-Versuch „Demokratie lernen und leben“ liegt einige Jahre zurück. Was geblieben ist, sind etablierte Formen des demokratischen Umgangs. Fast jede Klasse hat einen Klassenrat. Schüler sind in die pädagogische Entwicklungsarbeit integriert. Entwicklungsvorhaben werden in den Aushandlungsrunden breit vorgestellt und Schüler entscheiden gleichberechtigt mit. Dafür führt die Schule ein Punkt-Verfahren durch. So wurden die Regeln für die Schule und das Lernen durch die Schüler mit aufgestellt. Ein brisantes Ergebnis von Schülerverhandlungen ist der „Hausaufgabenfreie Mittwoch“.

Der Trainingsraum

„Fritzchen tickt aus!“ – wenn einem Schüler der Kragen platzt, dann kann er sich besinnen. Der Trainingsraum bietet Raum, um Abstand zu gewinnen und die Situation, die zum „Austicken“ führte, zu reflektieren. Der Schüler wird unterstützt, um in die Gemeinschaft zurück zu kehren. Auf diese Weise lernen die Schüler, Gefühle zu regulieren und damit Selbstkontrolle. Die Ergebnisse der Reflexion notiert der Schüler auf einem Blatt. Dies intensiviert den Auseinandersetzungsprozess mit der Situation und den eigenen Gefühlen und ist Grundlage für den Diskurs.
 

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