Methoden an der Ganztagsschule - Kooperatives Lernen
Kooperatives Lernen ist scheinbar ein Gegenwurf zum individuellen Lernen und versteht sich ebenso als eine Verwirklichungsform des „Lernen Lernens“ und damit des selbständigen Lernens. Kooperatives Lernen ist in der Schule ein hoch bewertetes Ziel. Die Verankerung im empfohlenen Methodenrepertoire der geltenden Lehrpläne spiegelt das wider.
Bei einem kooperativen Lernen sollen Schüler in dafür entsprechenden Lernarrangements die Gemeinschaft nutzen, um sowohl eigene Lernziele als auch gemeinschaftliche Ziele zu verfolgen und zu bewältigen. Von den Kooperierenden wird dabei erwartet, dass sie Aufgaben eigenverantwortlich – ohne direkte Supervision einer Lehrkraft – erfüllen, also als Gruppe selbstverantwortlich agieren. Mit dem Lernen in einer Gruppe verbindet sich die Erwartung, dass Schüler einen größeren Lernerfolg erzielen, wenn sie Gelegenheit erhalten, sich über Inhalte auszutauschen. Der Vorteil hinsichtlich des Wissenserwerbs wird dabei weniger im Behalten von Fakten gesehen, als vielmehr im Verstehen von Zusammenhängen, was durch einen Disput besser gelingt. Das Verstehen von Zusammenhängen befähigt die Lernenden, komplexe Aufgabenstellungen zu bewältigen. Es werden dabei sowohl kommunikative wie auch kooperative Kompetenzen entwickelt (GRÄSEL/GRUBER 2000, 161ff).
In der Tradition PIAGETs (ebenda) wird die Wirksamkeit kooperativen Lernens in erster Linie auf die bessere Bewältigung und Lösung kognitiver Konflikte zurückgeführt. Gemeint ist, dass unterschiedliche Sichtweisen bzw. Divergenzen zwischen verschiedenen Personen dazu führen, die individuelle Wissenskonstruktion zu erweitern und zu modifizieren (COHEN 1994, in: ebenda, 161). Folgt man der konstruktivistischen Lerntheorie, dann ist die Konstruktion von Wissen nicht ausschließlich ein individueller Prozess, sondern beruht immer auch auf kooperativen Prozessen (RENKL/MANDL 1995). Zwischen den Mitgliedern einer Lerngemeinschaft ergeben sich sprachliche Aushandlungsprozesse. In diesen wird Wissen gemeinsam konstruiert, indem eine Annäherung zwischen verschiedenen Perspektiven sowie eine Aushandlung von Bedeutungen, also die Erarbeitung gemeinsamer Begriffsbedeutungen, stattfinden (DILLENBOURG, BAKER, BLAYE, O`MALLEY 1995). Dem Disput der Lernenden wird hoher Stellenwert beigemessen. Kooperatives Lernen steigert die Lernmotivation bei den Schülern. Diese Tatsache wirkt sich generell förderlich auf die Qualität von Kognitionsprozessen aus (GRÄSEL/GRUBER 2000).
Eine Bedingung für den Erfolg kooperativen Lernens ist, dass die Vorerfahrungen und Kompetenzen von Schülern berücksichtigt und die professionelle Handlungsfähigkeit der Lehrkraft berücksichtigt werden. Vor allem in von außen gut strukturierten und begleiteten Lerngruppen wird ein hohes Aktivierungsniveau der Lernenden mit nachhaltigen Erfolgen im kognitiven Bereich erreicht. Somit hängt sehr viel von der Lehrkraft ab, dass kooperatives Lernen zu einer Entwicklung führt.
Die Wirksamkeit kooperativen Lernens ist an Erfolgsfaktoren gebunden (RENKL/MANDL 1995). Dazu gehören:
- motivationale Anreize,
- passende Lernaufgaben,
- eine strukturierte Interaktion,
- passende organisatorische Rahmenbedingungen,
- die Einbeziehung der individuellen Besonderheiten der Lernenden.
