Mädchen sind anders, Jungen auch – Wie sieht gendergerechte Bildung aus?

Workshop am Samstag, 10:00 - 12:00 Uhr, in Raum A5

Jungen spielen Fußball, Mädchen reiten – ist das auch in der Ganztagsschule so? Wenn ja: Soll es so bleiben? Geschlechterspezifische Angebote bewegen sich immer im Spannungsfeld zwischen Geschlechterstereotypen und neuen Wegen für Mädchen und Jungen. Wie können Ganztagsschulen den Bedürfnissen von Jungen und Mädchen gerecht werden? Was brauchen Jungen und Mädchen tatsächlich? Und welche Entlastungschancen bieten sich durch einen gendersensiblen Blick auf Kinder und Jugendliche sowie die eigene Schulkultur?

Referenten

Katharina Debus, Dissens e. V. Geschlechterreflektierte Ganztagsschule, Ergebnisse der Begleitung „Neue Wege für Jungs“; Karsten Miethke, Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen, Schleswig-Holstein; Regine Lindtke, Willy-Brandt-Schule Lübeck

Moderation

Tanja Klockmann, Serviceagentur Schleswig-Holstein; Benjamin Merle, Regionalstelle Rheinland-Pfalz

 

Aus der Diskussion:

  • Selbstreflexion unbewusster Rollenbilder der Lehrerinnen und Lehrer.
  • Austausch mit dem Kollegium, um etwaige Rollenbilder auch zu brechen.
  • Bataka-Kämpfe als Hilfe, um die Grenzen ausloten zu lassen.
  • Steuerung der Zusammensetzung von Gruppenphasen durch Zufallsprinzip; themaabhängig.
  • Rollenklischees dürfen durch Übungen nicht noch verstärkt werden. Daher sind die geschlechtshomogenen Gruppen (Jungen- und Mädchenstunden) auf Zielsetzung zu überprüfen und sehr individuell auf die Gruppe zuzuschneiden.
  • Kleine Schritte!

Zusammenfassend:

  • Wichtig sind die Arbeit an der Perspektive der Lehrkräfte (Gendersensibilität) sowie die Förderung der Selbstwahrnehmung der Schülerinnen und Schüler.
  • Um Stereotype nicht zu verstärken, ist es wichtig, die Schülerinnen und Schüler in geschlechtsgetrennten Gruppen inhaltlich gut zu begleiten und die Qualifizierung der Anleiterinnen und Anleiter in den Blick zu nehmen.


Zitate und Statements:

Motivation für diesen Workshop - Blitzlichtabfrage zu Beginn

  • „Ich erlebe das „Genderproblem“ alltäglich in Schule und Unterricht und erhoffe mir Inspiration für die Arbeit der Schülervertretung.“, Schüler
  • „Gesprochen für die Grundschulen beschäftigt uns der hohe Anteil weiblicher Lehrkräfte und fehlendes Regelverständnis vieler Jungen in den Rangeleien und Spaßkämpfen. Der Umgang von Jungen mit Konflikten ist anders als bei Mädchen. Frauen nehmen die Körperlichkeit von Jungen anders wahr.“, Schulleiter
  • „Ich habe allgemeines Interesse am Thema und möchte das Miteinander zwischen Jungen und Mädchen verbessern.“, Sozialarbeiterin
  • „Wie können wir dem Bewegungsdrang von Jungen Raum geben und gleichzeitig Grenzen setzen?“, Lehrerin
  • „Unsere Nachmittagsangebote sind momentan sehr  genderspezifisch –  Ist das gut so? Macht das Sinn“, Ganztagskoordinatorin
  • „Uns beschäftigt derzeit das Thema, wie wir mehr Männer in die Schulen bekommen.“, Vertreterin der Bildungsverwaltung
  • „Ich möchte das Thema auf mich wirken lassen und freue mich auf den Austausch in gemischter Gruppe.“, Elternvertreterin

Kommentare aus der Diskussion

  • „„Ich brauch mal ein paar starke Jungs“ – als typischer Satz aus dem Schulalltag: einerseits diskriminierend (z.B. für Mädchen, die auch stark sind, und Jungen, die nicht so selbstbewusst sind) und andererseits motivierend für Jungen, um die eigene Stärke zu präsentieren.“, Schüler
  • „Es gab mal eine Filz-AG. Eine Junge verabschiedete sich nach einem Treffen jedoch bereits von der AG mit der Bemerkung: ,Da sind ja nur Mädchen!` Hätte ich davon früher gewusst, wäre ich einfach mit reingegangen!“, Lehrer
  • „Es ist uns wichtig, dass sich alle Kinder wohlfühlen! Egal ob sie Mädchen oder Jungen sind. Das ist unser Kriterium und Ansatzpunkt.“
  • „Wir sind nun mal geschlechtlich. Oder auch übergeschlechtlich. Da war ein Junge, der immer mit in die Mädchenstunde gegangen ist, ohne dass sich jemand wunderte.“

Kommentare aus der ersten Arbeitsphase

  • „Wir Mädchen wehren uns, wenn die Lehrerin fragt: ,Wo sind die starken Jungs?“, Schülerin
  • „Als Lehrer ist mir die Situation manchmal gar nicht so bewusst. Das macht man eben aus Erfahrung einfach so.“, Lehrer
  • „Wenn wir uns dann versuchen abzusetzen, dann wird man von den eigenen Mitschülern schief angeschaut – sozusagen die eigene Peer-Group lästert dann.“, Schüler
  • „Für die körperlichen Auseinandersetzungen fehlt den Jungs die selbstgesetzten Regeln."
  • „Also bei mir dürfen die Jungs sich prügeln mit einem Schiedsrichter.“
  • „Dieses Missverständnis muss ich jetzt hier mal aus der Welt schaffen: Wir Männer kämpfen nie nur aus Spaß. Da steckt jede Menge dahinter.“
  • „In einer  bestimmten Altersgruppe kann ich keine Experimente machen. Da muss ich eben einfach durchgreifen.“
  • "Ich bräuchte möglichst verschiedene Männer in der Grundschule und nicht  den Mann im Allgemeinen."
AnhangGröße
Arbeitsfragen der Moderation63.62 KB
Präsentation von Katharina Debus, Dissens e. V.146.39 KB
Präsentation von Regine Lindtke, Willy-Brandt-Schule Lübeck703.91 KB