Lebensweltorierientierung

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Wenn Kinder und Jugendliche den ganzen Tag in der Schule
verbringen, dann erhält die Lebensweltorientierung ein
viel stärkeres Gewicht als in der Halbtagsschule.
Gute Ganztagsschulen erkennt man daran, inwieweit
sie die Bedürfnisse, die soziale Situation und die Interessen von Kindern und Jugendlichen berücksichtigen.

Dies setzt ein grundsätzliches Umdenken voraus. Weg von der Frage: Wie muss das Kind oder der Jugendliche sein, um der Schule gerecht zu werden? Hin zu der Frage: Wie muss die Schule sein, damit sie den Schülerinnen und Schülern gerecht wird? Was kann die Schule tun, damit Kinder und Jugendliche sich geistig,  körperlich, emotional und sozial gesund entwickeln können?

Alle Schulen, vor allem aber Ganztagsschulen mit ihrem erweiterten Auftrag, dürfen nicht nur aus Erwachsenenperspektive gute Schulen sein. Sie  müssen Orte sein, an denen sich Kinder und Jugendliche wohl fühlen und bestmöglich entfalten können. Sie orientieren sich an den Stärken der Kinder und arbeiten ressourcenorientiert. Sie bieten ihnen Anregungen zum Lernen, spannende Begegnungen, Freundschaften und gesunde Aufwachsbedingungen in einem guten sozialen Miteinander. Aus der begleitenden Ganztagsschulforschung, wie z.B. der StEG-Studie, ist bekannt, dass für die Schulqualität auch der Aspekt der Sozialbeziehungen in der Schule zentral ist. Das betrifft die Beziehungen zwischen allen am Schulleben Beteiligten.

Gute Ganztagsschulen sind keine künstlichen Orte

Gute Ganztagsschulen müssen Schüler und Schülerinnen teilhaben lassen an der Gestaltung des Schulalltags, sie ernst nehmen in ihren Bedürfnissen nach demokratischer Mitverantwortung und sie darin unterstützen und fördern. Eine gute Ganztagsschule darf kein künstlicher Ort sein, an dem nur Probehandeln geübt wird, das außerhalb der Schule keine Bedeutung hat oder schlimmstenfalls sogar im Widerspruch zur „realen Welt“ steht. Eine gute Ganztagsschule ist ein Mittelpunkt, in dem wirkliches Leben stattfindet mit vielfältigen Bezügen nach außen: zum Gemeinwesen, zu Vereinen, Initiativen, Betrieben und so fort. Und sie ist offen für neue Partnerschaften mit Einrichtungen und Personen, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind. 

Kernfragen an eine Ganztagsschule

Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker meint: "Man lernt besser und motivierter, wenn man sich mit dem Lernort, den Lerninhalten und den Lernweisen identifizieren lann.
  • Wie können Ganztagsschulen dem Anspruch gerecht  werden, nicht nur ein guter Lern-, sondern auch Lebensort zu sein?
  • Wie sehen Lebenswelten von Kindern- und Jugendlichen aus?
  • Wie fließen ihre Erfahrungen und Interessen in den Unterricht und in die Gestaltung von Angeboten ein?
  • Wie kann zu Verantwortungsübernahme ermutigt werden?

Viele  Ganztagsschulen bieten  veränderte Muster der Rhythmisierung, Rückzugsgelegenheiten für Schülerinnen und Schüler, individualisiertes Lernen und Projektunterricht in unterschiedlichen Formen, Partizipation und neue Formen des Miteinanders. Neben diesen  Elementen eines lebensweltorientierten Schulalltags machen sich Ganztagsschulen auch daran, die gesunde körperliche Entwicklung zu fokussieren. Unter anderem mit Bewegung und Sport „drinnen wie draußen“ und mit  abwechslungsreicher  Verpflegung und gesundem, ggf. an Speisevorschriften orientierten, Essensangebot.

Lebensweltorientierung an der Ganztagsschule bedeutet auch, die Eltern und Familien in die Arbeit einzubeziehen.

 

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von Oggi Enderlein öffnen

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12.04.2012
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