Übergang Schule – Wirtschaft

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Und sie vermögen wesentliche Unterstützung zu leisten bei der am Ende der Schullaufbahn so notwendigen beruflichen Orientierung der Schüler. Hier ein konkretes Beispiel für Kooperation in der Praxis in Hessen.

Das Frankfurter Hauptschulprojekt

In Hessen bietet das Frankfurter Hauptschulprojekt den Schülerinnen und Schülern von aktuell 21 Schulen, die den Hauptschulabschluss anbieten, eine umfangreiche Hilfestellung bei der Beantwortung dieser Frage. Oft ist Schülerinnen und Schülern, die vor ihrem Hauptschulabschluss stehen, noch unklar, was sie nach der Schule machen wollen, welche Möglichkeiten sie überhaupt haben und was sie selbst dafür tun müssen, um ihren Weg von der Schule in den Beruf zu gehen. In dieser Zeit ist es die Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer, ihre Schülerinnen und Schüler zum Schulabschluss zu führen und mit ihnen zusammen Perspektiven für die Zeit nach der Schule zu erarbeiten. Hierbei werden die Schülerinnen und Schüler und die Lehrerinnen und Lehrer von der Koordinierungsstelle Frankfurter Hauptschulprojekt mit einem Programm unterstützt, in dem neben der Agentur für Arbeit auch Vertreter von Frankfurter Großunternehmen eine Beratung anbieten.

Drei Pfeiler für einen sicheren Halt

Dabei basiert das Programm auf drei Pfeilern, von denen der erste die Berufsorientierung in der Schule ist, der zweite die Berufsberatung in der Agentur für Arbeit und der dritte die Beratung durch Vertreter der beteiligten Partnerunternehmen. Jeder teilnehmenden Schule ist hierbei ein Partnerunternehmen zugeordnet.

Konkret unterstützt die Koordinierungsstelle Frankfurter Hauptschulprojekt die Schülerinnen und Schüler, die eine betriebliche Ausbildung anstreben, bei der Berufswahl und bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz durch folgende Programmpunkte:

  • Einschätzung der Stärken und Interessen der Schülerinnen und Schüler durch die Schülerinnen und Schüler selbst, ihre Eltern und Lehrer,
  • Berufsberatung und Vermittlung durch die Berufsberater der Agentur für Arbeit Frankfurt,
  • Überprüfung der Berufswahl, Beratung und Vermittlungsunterstützung durch Personalreferenten aus Frankfurter Großunternehmen.

Aufgaben der Koordinierungsstelle Frankfurter Hauptschulprojekt

Die Mitarbeiter der Koordinierungsstelle Frankfurter Hauptschulprojekt unterstützen die an diesem Programm beteiligten Partner in Schulen, Berufsberatung und Unternehmen und koordinieren den Prozess der Berufsorientierung, in den neben der Schule auch die Agentur für Arbeit Frankfurt und jeweils das Partnerunternehmen eingebunden sind. Sie begleiten die ausbildungswilligen Schülerinnen und Schüler individuell bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz.

Die Mitarbeiter der Koordinierungsstelle Frankfurter Hauptschulprojekt sind während des Schuljahrs laufend darüber informiert, wie weit die einzelnen Schülerinnen und Schüler in ihrem Berufsorientierungsprozess sind, ob sie Unterstützung brauchen oder allein zurecht kommen. Sie erfassen hierfür die notwendigen Daten bei allen Beteiligten und stellen ihnen die jeweils für sie relevanten Auswertungen zur Verfügung.

Und darüber hinaus

  • Durchführung und Organisation von Informationsveranstaltungen / Information der beteiligten Partner
  • Laufende Prozesssteuerung
  • Organisation des zeitlichen Ablaufs (Schuljahreszyklus)

Neben den Aufgaben, die die Koordinierungsstelle übernimmt, sind auch den anderen Projektbeteiligten Kernaufgaben zugeordnet:

Kernaufgaben der Schule

  • Übersendung eines Bogens mit Daten der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler zur Planung und Steuerung an die Koordinierungsstelle
  • Herausarbeiten der Stärken und Interessen der Schülerinnen und Schüler
  • Erstellung einer Standardbewerbung
  • Aktualisierung der Daten in bestimmten Zeitabständen und Weiterleiten der Anschlusswünsche an die Projektbeteiligten
  • Ermutigung und Ermunterung der Schülerinnen und Schüler zur Ausbildungsplatzsuche
  • Übernahme der Gesamtverantwortung für die Anschlussorientierung durch die Schulleitung
  • Organisation des schulinternen Informationsflusses über Stand und Erfolg des Projektes

Kernaufgaben der Berufsberatung

  • Einzelberatung der Schülerinnen und Schüler und Klärung sowie Differenzierung der Realisierbarkeit der bisherigen Berufswünsche
  • Klärung von ausländerrechtlichen Voraussetzungen
  • kontinuierliche Rückmeldung der Beratungsergebnisse an die Koordinierungsstelle
  • Einzelberatung der Schülerinnen und Schüler bei im Prozess veränderter Berufsorientierung
  • Datenerhebung im System der Berufsberatung

Kernaufgaben der Partnerunternehmen

  • Individuelle Beratung der Schüler aus der Partnerschule, nachdem diese die ersten zwei Pfeiler des Programms durchlaufen haben
  • Tipps, Vorschläge und Hilfestellung für das Vorgehen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz
  • Feedback aus Arbeitgebersicht für die Schülerinnen und Schülern der Partnerschule, um deren Chance bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu erhöhen
  • Teilnahme an gemeinsamen Veranstaltungen aller Projektbeteiligten
  • Erfassung der Gesprächsergebnisse auf vorgefertigten Dokumentationsbögen und Übermittlung der Bögen an die Koordinierungsstelle
  • Eventuell Unterstützung bei der Vermittlung einzelner Schüler
  • Eventuell Bereitstellung von Praktika für die Lehrerinnen und Lehrer

Beratungen und Unterstützungen für Schülerinnen und Schüler stehen so nicht mehr isoliert nebeneinander, sondern bauen aufeinander auf.

Anregungen von Personalprofis

Für ihren Übergang von der Schule in den Beruf benötigen die Schülerinnen und Schüler das Fachwissen und die Anregungen von Personalprofis. Deshalb arbeitet das Frankfurter Hauptschulprojekt eng mit großen Unternehmen zusammen, deren Vertreter gemeinsam mit den Schülern ihre Bewerbungsunterlagen und Bewerbungsstrategie prüfen und ihnen Hinweise geben, wie sie sich erfolgreich bewerben können. Diese persönlichen Kontakte mit erfahrenen Personalfachleuten und ihre Rückmeldungen sind für die Schüler wichtig, um zu erkennen, wie sie ihre Bewerbung verbessern können. Die Schüler nehmen in diesen Gesprächen auch häufig erstmals mit der für sie neuen Welt der Unternehmen Kontakt auf und sammeln so erste Erfahrungen, die ihnen bei späteren Vorstellungsgesprächen helfen.

Durch diese Kontakte gewinnen die kooperierenden Unternehmen auch einen guten Einblick in die Kompetenzen und Qualifikationen von Hauptschülern und deren Potential für eine betriebliche Ausbildung. Angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftemangels ist die betriebliche Ausbildung auch von Hauptschülern eine wichtige Aufgabe, um qualifizierte Nachwuchskräfte für die Betriebe zu gewinnen. Derzeit nehmen 19 große Unternehmen an dem Projekt teil, zum Beispiel die PriceWaterhouseCoopers AG, Siemens AG oder die Deutsche Bundesbank.

Für Ausbildungsbetriebe ist dieses Konzept besonders deshalb interessant, weil als Bewerber nur solche Schulabgänger vorgeschlagen werden, die sich nach einer Prüfung ihrer Stärken und Interessen für die gemeldeten Ausbildungsplätze eignen.

Das Projekt startete bereits mit dem Schuljahr 2006/2007 und ist ein Kooperationsprojekt des Staatlichen Schulamts Frankfurt und des Bildungsdezernats der Stadt Frankfurt am Main. Durchgeführt wird das Projekt von der Koordinierungsstelle Frankfurter Hauptschulprojekt, die bei der Gesellschaft für Jugendbeschäftigung e.V. angesiedelt ist. Die Angebote der Koordinierungsstelle werden von der Agentur für Arbeit im Rahmen der vertiefenden beruflichen Orientierung gefördert.

Weiterführende Informationen, Quelle und Kontakt:

Koordinierungsstelle Frankfurter Hauptschulprojekt
info@frankfurterhauptschulprojekt.de, www.frankfurterhauptschulprojekt.de

 

Datum: 22.02.2010
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