Essen in der Ganztagsschule

Ernährung in der Ganztagsschule hat zentrale Bedeutung dafür, wie Schule als „Lebensraum“ wahrgenommen und angenommen wird. Essen kann hier als eine der grundlegenden Kulturtechniken geübt werden. Kinder wachsen in einer Lebenswelt auf, die große Herausforderungen an den Erhalt der Gesundheit und an die Entwicklung von sozialen Beziehungen stellt. Aufgaben, die traditionell von der Familie zu leisten waren, werden dabei immer häufiger zu Aufgaben der Schulen.
Durch die Einrichtung von Ganztagsschulen wird die Schule zum zentralen Lebens- und Erfahrungsraum der Kinder. „Der Mensch ist, was er isst“, mit diesem Motto fühlen sich erfolgreiche Ganztagsschulen herausgefordert. Die körperliche Entwicklung der Heranwachsenden hängt in hohem Maße von einer gesunden und ausgewogenen Ernährung ab. Nicht in allen Familien kann sich das Kind darauf verlassen, dass schlechtes Schulessen am Mittag durch entsprechend gutes Essen in der Schultasche ausgeglichen wird. Aus der Notwendigkeiten gesunder Ernährung heraus muss formuliert werden: Nur eine Schule, die ein gutes Essen anbietet, ist auch eine kinderfreundliche Schule.
Die Kindheit hat entscheidenden Einfluss auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten und damit auch auf das Körpergewicht und den Gesundheitszustand im späteren Leben. Mit dem ganztägigen Schulaufenthalt verstärkt sich die Verantwortung seitens der Schule. Die Bildung und Einübung eines gesunden Ernährungsverhaltens wird Verpflichtung. Die Ganztagsschule bietet die Gelegenheit, auf unterschiedlichen Ebenen auch diesem Bildungsauftrag gerecht zu werden. Was und wie von den Schülerinnen und Schülern täglich gegessen und getrunken wird, das trägt langfristig zur Entwicklung und Festigung von Geschmacks- und Handlungsmustern bei.
Grundsätzlich geht es darum, partiell auch die Gesundheitskompetenz von Kindern zu entwickeln und zu stärken. Wie hoch der Bedarf, ist hat die Universität Greifswald in einer Studie nachgewiesen: Nur bei 0,5% der befragten Kinder in Klasse 5 und 6 konnte das mitgebrachte Frühstück als "gut" bezeichnet werden.
Ebene der Schulversorgung
Eine eigene Küche, in der das Essen frisch gekocht wird, haben die wenigsten Schulen. Für die meisten ist das finanziell und organisatorisch nicht zu leisten. Das bedeutet: Ein Catering-Unternehmen muss angeheuert werden. „Der Ruf dieser Schule begründet sich u.a. aus ihrem hervorragenden Essensangebot!", so sollten Schulleiter die Attraktivität ihrer Ganztagsschule begründen können. Dazu gehört, dass sich mit dem Angebot des Mittagessens die Regeln gesunder Ernährung darstellen. Standards für ein vollwertiges Verpflegungsangebot stehen den Schulen dank des Engagements der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zur Verfügung. Über praxisorientierte Kriterienkataloge lässt sich auch der richtige Essensanbieter finden. Mit der Ganztagsschule wächst die Konkurrenz unter den Anbietern. Verantwortliche und Entscheidungsträger sind gut gerüstet, wenn sie diese Standards als Gesprächs- und Verhandlungsgrundlage heranziehen. Insgesamt muss sichergestellt sein, dass die Menüs tatsächlich auf den Nährstoffbedarf von Schülerinnen und Schülern zugeschnitten sind und auch genug geschmackliche Abwechslung bringen.
Die Schule als Ort des Lehrens, Lernens und Lebens versammelt Menschen unterschiedlichster Herkunft, persönlicher, familialer und kultureller Erfahrungen und Prägung. Der Umgang miteinander und die Qualität sowie die Intensität der Beziehungen üben einen entscheidenden Einfluss auf das Lernklima aus. Eine Herausforderung für die Schulen besteht darin, die Organisation des gemeinsamen Essens und das tägliche Verpflegungsangebot in den pädagogischen Rahmen und damit auch den Unterricht zu integrieren.
Qualitativ hochwertiges Essen kann von den Schülerinnen und Schülern besser wahrgenommen, akzeptiert und geschätzt werden, wenn durch schulische Ernährungsbildung die entsprechenden Grundlagen geschaffen oder weiterentwickelt werden und Kenntnisse über eine vollwertige Ernährung vermittelt werden. Sobald Lerneinheiten und Lernkonzepte darauf abheben und dies Ernährung und Essen in den Fokus rückt, werden Schülerinnen und Schüler aus sich selbst heraus das eigene Verhalten und die Gewohnheiten prüfen, aber auch die Rahmenbedingungen hinterfragen. Das eigene Schulessen wird Reflexionsgegenstand. Die Folge ist, dass Kritik geübt wird und Veränderungen eingefordert werden.
Essen als Beziehungsangebot
Das gemeinsame Essen von Lehrenden und Lernenden bietet eine zwanglosere Gelegenheit zur Kommunikation als der Unterricht und ist für die pädagogischen Beziehungen äußerst wertvoll. Schulen, die sich in Hinblick auf eine gemeinsame Schulverpflegung „auf den Weg gemacht haben“, berichten von deutlich positiven Effekten auf die sozialen Beziehungen in der Schule.
Partizipation von Lehrkräften sowie von Schülerinnen und Schülern bei der Zusammenstellung des Speiseplans fördert die Akzeptanz und schafft Identität („unser“ Schulessen). Eine gute Kommunikation zwischen Herstellern bzw. Anbietern und Verpflegungsteilnehmenden verbessert die Atmosphäre beim gemeinsamen Essen und ist ebenfalls Grundlage für die Akzeptanz und für die Wertschätzung des Verpflegungsangebotes.
Datum: 17.12.2010
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