Erwartungen an die Erträge des Schulunterrichts

Kompetenzen bekommen eine neue Bedeutung, weil diese nicht mehr nur rezeptiv entwickelt werden, sondern sich die Schüler „aufraffen“ müssen, um Wissen individuell zu konstruieren. Insbesondere ist die Schule gefordert, eine von konkreten Inhalten unabhängige Lernkompetenz aufzubauen.
Angesichts der Tatsache, dass die Abspeicherung von Wissensbeständen elektronischen Systemen überlassen wird und diese im Zeitalter des Internets leicht abrufbar sind, brauchen Heranwachsende Kompetenzen, um vorhandenes Wissen neu zu arrangieren, um dadurch Probleme zu bewältigen.
Es ist nicht notwendig, das vorhandene Wissen eigenständig zu reproduzieren, sondern man muss befähigt sein, unter Orientierung auf das zu bewältigende Problem auf Wissensbestände zugreifen zu können und diese gezielt für eine Problemlösung auszunutzen.
Erwartungen der heutigen Gesellschaft an die Erträge des Schulunterrichts
Angesichts eines beschleunigten Wissenszuwachses und -wandels kann es heute nicht mehr ausreichen, im Unterricht nur „solides“ Grundlagenwissen zu vermitteln. Vielmehr müssen Lernende frühzeitig die Fähigkeit erwerben, sich eigenständig Lernzugänge zu schaffen, um neue Inhaltsgebiete erschließen zu können und Fähigkeiten und Fertigkeiten für ein lebenslanges Lernen auszubauen (MANDL/KRAUSE 2002).
Insbesondere ist die Schule gefordert, eine von konkreten Inhalten unabhängige Lernkompetenz aufzubauen, die als Voraussetzung für eigenständiges Lernen dienen kann (REISERER/MANDL 2002). Es gilt die Erkenntnis, dass berufliche Arbeitsabläufe in immer geringerem Maße kontinuierliche und konstante Prozesse sind, sondern eher in einer Abfolge von Projekten organisiert werden. So kann angenommen werden, dass übergreifende Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen zu wesentlichen Teilen das Ergebnis impliziter Lernvorgänge sind (WEINERT 1998, 89). Diese Fähigkeiten wer- den am besten durch selbstorganisiertes Lernen erworben (MANDL/GERSTENMAIER 2000).
Aus pädagogischer Sicht fokussiert der Begriff der Kompetenz menschliche Fähigkeiten, die situationsgerechtes Handeln erst ermöglichen. Das internationale Projekt „Definition and Selection of Competencies“ (DeSeCo), welches unter der Führung des Schweizer Bundesamtes für Statistik in Zusammenarbeit mit dem US-Department of Education und mit Unterstützung von Statistics Canada durchgeführt wurde, identifizierte die für die persönliche und soziale Integration und Bildung der Menschen in modernen, komplexen Gesellschaften wesentlichen Schlüsselkompetenzen und zeigt auf diese Weise Chancen und positive Aspekte einer Kompetenz fördernden Entwicklung für den Einzelnen wie die Gesellschaft auf. Für Lehrkräfte steht damit ein Bezugssystem für die Gestaltung schulischen Lernens zur Verfügung.
Es werden drei Kernkompetenz-Kategorien definiert:
- Autonome Handlungsfähigkeit
- Interaktive Nutzung von Medien und Mitteln
- Handeln in sozial heterogenen Gruppen
Diese drei Klassifizierungen sind für die Persönlichkeitsentwicklung und für die aktive, verantwortungsvolle Teilnahme am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Geschehen im Einklang mit gesamtgesellschaftlichen Zielen als zentral zu erachten.
Autonomes Handeln
... umschreibt die Schlüsselkompetenz, die das Individuum in die Lage versetzt, sein Leben durch eigenständiges Steuern und verantwortungsvolles Handeln in sinnvoller Weise zu gestalten. Zu dieser Kategorie zählt die Fähigkeit, die eigenen Rechte und Interessen zu vertreten sowie das Vermögen, Projekte und Lebenspläne zu gestalten und in einem größeren Rahmen oder Kontext zu agieren.
Interaktive Nutzung von Medien und Mitteln
... bezieht sich auf die sozialen und beruflichen Anforderungen der globalen Wirtschaft und der modernen Informationsgesellschaft, die die Interaktion mit technischen und soziokulturellen Medien voraussetzt. Hierzu gehört die Fähigkeit, Symbole, Sprache, Texte, Wissen und Informationen sowie (neue) Technologien interaktiv zu nutzen.
Handeln in heterogenen Gruppen bezieht sich auf die soziale Interaktionsfähigkeit des Individuums.
Interagieren in sozial heterogenen Gruppen
... in pluralistischen, multikulturellen Gesellschaften. Als wichtige Einzelkompetenz beinhaltet diese Kategorie die Fähigkeiten, tragfähige und gute Beziehungen aufzubauen, mit anderen zu kooperieren und mit Konflikten umzugehen.
Literraturnachweis
Gudjons, H., 2006: Neue Unterrichtskultur – Veränderte Lehrerrolle. Bad Heilbrunn.
Mandl, H. & Gerstenmaier, J. (Hrsg.). (2000). Die Kluft zwischen Wissen und Handeln: Empirische und theoretische Lösungsansätze. Göttingen: Hogrefe.
Reiserer, M. & Mandl, H. (2002). Individuelle Bedingungen lebensbegleitenden Lernens. In R. Oerter & L. Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychologie (S. 923-939). Weinheim: Beltz.
Weinert, F. E.: Vermittlung von Schlüsselqualifikationen, in: Matalik, S./Schade, D. (Hrsg.): Entwick- lungen in Aus- und Weiterbildung. Anforderungen, Ziele, Konzepte. Baden-Baden 1998
