Besonderheiten von Ganztagsschulen im ländlichen Raum

Vier Kinder liegen lachend auf der Wiese
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Impulse für Schulentwicklung kommen sowohl aus städtischen als auch ländlichen Schulen. Zentrale Komponenten von Schule werden in beiden Siedlungsräumen unterschiedlich inszeniert: Organisation, Stellung der Schulleitung, Erwartungshaltung des Schulträgers, Rollen von Lehrerinnen und Lehrern oder auch Klassenzusammensetzungen, um nur einige zu nennen.

Es wird deutlich: Schulen im ländlichen Raum sind kleiner, weniger Lehrerinnen und Lehrer, weniger Schülerinnen und Schüler. Da ergeben sich Unterschiede. Die wissenschaftlichen Untersuchungsergebnissen von Andrea Raggl von der Pädagogische Hochschule Vorarlberg zeigen:

Die Schulleitung macht mit und macht vor

Schulleitungen sind in ländlichen Schulen wesentlich stärker in den Unterricht eingebunden. Grund dafür sind die zugewiesen Unterrichtsdeputate. Das kann von großem Vorteil für die Fortentwicklung von Unterricht sein. Die Umsetzung neuer Ideen lässt sich durch Vorbildwirkung bzw. Mitwirkung einfacher gestalten. Indem die Schulleitung im eigenen Unterrichtsgeschehene mit den Veränderungen beginnen werden die Kolleginnen und Kollegen angeregt, sich schneller zu beteiligen. 

Qualitäts- und Risikofaktor: Schule als Familie

Viele Schulen weisen einen familiären Charakter auf. Davon kann vor allem die Schüler-Lehrerbeziehungen profitieren. Was positiv wirken kann, verursacht an manchen Orten auch Probleme, nämlich dann, wenn sich Beziehung schwierig gestalten. Die familienähnlichen Konstellationen und die damit verbundenen Nähe zwischen Schülerinnen und Schülern zu ihren Lehrerinnen und Lehrern sind eine besondere Komponente der Schulgemeinschaft ländlicher Schulen. 

Sarah Beierle, Frank Tillmann, Birgit Reißig

Jugend im Blick – Regionale Bewältigung demografischer Entwicklungen - Abschlussbericht

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Hohe Erwartungshaltung an die Lehrpersonen

Gerade in kleinen Gemeinden wächst die Erwartungshaltung an die in der Schule tätigen Lehrerinnen und Lehrer. Diese werden „Kulturträger“ in einer meist dünnbesiegelten Region. Von Lehrerinnen und Lehrern auf dem Lande wird erwartet, dass sie innerhalb und außerhalb von Schule als Vorbilder auftreten. Damit steht die Lehrperson im Spannungsfeld von professioneller Tätigkeit und privatem Leben.

Notwendigkeit und Chance: Altersübergreifender Unterricht

Aufgrund geringer Schülerzahlen müssen Schulen im ländlichen Raum müssen die Zusammensetzung von Klassen kreativ verändern. Altersmischung wird somit Alltagsgeschäft kleinerer Landesschulen. Mit dieser Bedingung wird immer wieder und viel stärker nach selbstbestimmten, aber vor allem zieldifferenten Unterrichtsformen gesucht. Was zunächst als „organisatorischer Notnagel“ verstanden wurde, entpuppt sich oft als Basis einer neuen und zeitgemäßeren Lernkultur, wie z.B. die Arbeit mit Kompetenzrastern.

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11.10.2016