Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Hessen

Die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Hessen ist neben der regionalen Fachberatung das zentrale Unterstützungssystem beim Ausbau der Ganztagsschule im Land. Das zurzeit sechsköpfige Team an den beiden Standorten Frankfurt und Kassel informiert und berät Schulen zu allen wichtigen Themen des Ganztags, insbesondere zur Umsetzung des „Qualitätsrahmens für ganztägig arbeitende Schulen“. Die Serviceagentur wurde im Kontext des durch die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung verantworteten „Programms Ideen für mehr! Ganztägig lernen.“ gegründet und aufgebaut. Damit die Arbeit in der gewohnten Qualität fortgeführt und vor allem mit Blick auf den „Pakt für den Nachmittag“ erweitert werden konnte, wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach dem Auslaufen der Förderung durch den Bund 2015 als Landesbeschäftigte übernommen.

Jährlich richtet die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Hessen die Auftaktveranstaltung für alle neu in das hessische Ganztagsschulprogramm aufgenommene Schulen aus. Hier erhalten die Vertreter der Schule Informationen zu rechtlichen Grundlagen, aktuellen Entwicklungsvorhaben seitens der Landesregierung sowie zu Zielen und Wirkungen von Ganztagsschulen. Auch ein Online-Handbuch ist dazu entstanden und auf der Internetseite der Serviceagentur abrufbar ist.

Seit 2015 fällt nun auch der Auftakt für die Schulen, die Schulträger, freien Träger und Staatlichen Schulämter, die sich am „Pakt für den Nachmittag“ beteiligen wollen, in ihre Zuständigkeit. Auch für weitere Interessensgruppen wie Eltern und Verbände werden Informationsveranstaltungen von der Serviceagentur angeboten.

Um möglichst viele Personen zu erreichen, fokussiert sich die Serviceagentur vor allem auf die Ebene der Multiplikatoren als Zielgruppe. So vernetzt die Serviceagentur beispielsweise auch die Fachberaterinnen und -berater für den Ganztag. Weitere Fortbildungsangebote werden bedarfsgerecht und themenbezogen angeboten, so zum Beispiel zu Rhythmisierung, „Lernzeiten statt Hausaufgaben“ oder „Kooperation im multiprofessionellen Team“.

Kooperationen zwischen Ganztagsschulen und regionalen Partnern unterstützt die Serviceagentur durch eine Kooperationsdatenbank auf ihrer Internetseite , wo sowohl Angebote einsehbar sind, als auch Angebote von Anbietern eingestellt werden können.
 

Steckbrief Serviceagentur Ganztägig lernen Hessen
 
Das Team: 7 Kolleginnen und Kollegen – Pädagogen, Lehrkräfte, Sozialarbeiter, Sportwissenschaftler
 
Schwerpunktthemen: Qualitätsrahmen für die Profile ganztägig arbeitender Schulen; Entwicklung der Ganztagsgrundschule („Pakt für den Nachmittag“); multiprofessionelle Teams, Kooperation; Rhythmisierung , „bewegte Schule“, Lern- und Übungszeiten; Schulbau
 
Formate: Informationsveranstaltungen, Fortbildungen, Schulnetzwerke, Hospitationen, Kongresse

Vernetzung ist eines der wirksamsten Instrumente, um die Qualität in den Schulen vor Ort zu verbessern. Daher hat die Serviceagentur gute Schulbeispiele aus den verschiedenen Regionen und zu verschiedenen Bereichen des Qualitätsrahmens gesammelt, damit andere Schulen, die vergleichbare Voraussetzungen haben, von diesen lernen können . Viele dieser Schulen sind auch Hospitationsschulen der seit 2013 etablierten Hospitationsreihe.
Weitere Informationen über die Serviceagentur Ganztägig lernen Hessen finden Sie unter http://www.hessen.ganztaegig-lernen.de/
 

 

Drei Fragen an den Leiter der Serviceagentur Ganztägig lernen Hessen Jürgen Wrobel

 

Ganztägig-lernen.de: Mit welchen Fragen bzw. Themen wenden sich die Ganztagsschulen an die Serviceagentur „Ganztägig lernen“?

Jürgen Wrobel: Das ist sehr unterschiedlich. Und es sind keinesfalls nur Schulen, die sich mit Fragen zum Ganztag an uns wenden, sondern zunehmend auch Freie Träger, Schulträger, Elternvertreter/-innen und andere „Zielgruppen“ oder Akteure in Sachen Ganztagsschule. Aber natürlich stellen die Schulen das Gros der Anfragen. Oft geht es allgemein darum, wie sich eine hessische Schule auf den Weg in den Ganztag macht, was sie dabei vor allem beachten muss usw. Aber auch sehr spezielle Verwaltungs- und Regelungsfragen werden uns gestellt, beispielsweise zur Aufsichtsregelung, zur Mittelverwaltung, zum Schülertransport, zur Einbindung von freien Anbietern im Ganztag wie etwa Musikschulen, Sportvereinen usw.

Ganztägig-lernen.de: Wie entwickeln die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der SAG Angebote für ihre Arbeit mit Ganztagsschulen?

Jürgen Wrobel: Hier gibt es im Wesentlichen zwei Richtungen, in denen sich die Programmentwicklung bewegt; ich nenne sie mal die „Graswurzel-Entwicklung“ und die „Auftragsentwicklung“. Zahlreiche erfolgreiche Formate und Angebote der Serviceagentur Hessen haben damit begonnen, dass ein Teammitglied eine Idee hatte, sie dem Team vorstellte und grünes Licht bekam, dann mit Unterstützung der anderen das Angebot entwickelte und erprobte und schließlich in die Breite brachte bzw. fest im Programm etablierte. So entstanden z. B. die Hospitationsreihe, die Fachberater-Qualifizierung, die Schulträgerveranstaltung und neuerdings auch Angebote, die sich auf die Integration von Geflüchteten in den hessischen Ganztagsschulen fokussieren. Auch unser derzeitiger „Print-Bestseller“, eine Broschüre für Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst zur Einführung in den „Ganztag“, war ursprünglich so eine Graswurzel-Initiative. Bei diesen Ideen zahlt es sich aus, dass das Team wie der alte SAG-Slogan schon feststellte „nah dran“ ist am Geschehen. Die „Auftragsentwicklung“ geht von Bedarfen aus, die das Ganztagsreferat im Hessischen Kultusministerium sieht und mit uns gemeinsam decken möchte. Dazu gehören Programm-„Klassiker“ wie die verschiedenen Auftaktveranstaltungen für Schulen, die neu ins Landesprogramm Ganztagsschule aufgenommen werden, aber auch – ganz aktuell – eine Fachtagung zum Thema Schulbau und Ganztag. Ein Riesenprojekt in diesem Zusammenhang wird die Fortbildungsreihe im Rahmen des Programms „Pakt für den Nachmittag“, das der Ganztagsgrundschule einen massiven Entwicklungsschub bringen soll, wofür Qualifizierungs- und Zertifizierungsmaßnahmen entwickelt werden. Es gibt aber auch Mischformen zwischen den beiden Programmentwicklungsstrategien. So bestand etwa, als der Hessische Qualitätsrahmen für ganztägig arbeitende Schulen (QR-GTS) mit der neuen Richtlinie erschien, natürlich der Wunsch des Ministeriums, dass er auch bekannt gemacht und verbreitet wird; aber es gab keine Vorgaben zum Verfahren. Wir haben dann im Team ein Konzept erarbeitet und eine sehr erfolgreiche und gut nachgefragte Fortbildungsreihe zu den Qualitätsbereichen aufgelegt, die das Ministerium schließlich weit über den geplanten Umfang hinaus unterstützt und gefördert hat.

Ganztägig-lernen.de: Was unterscheidet die Arbeit der Serviceagentur in Bezug auf Schulen im „Pakt für den Nachmittag“ und die Beratung von ganztägig arbeitenden Schulen in den Profilen 1, 2 und 3?

Jürgen Wrobel: Grundsätzlich eigentlich nichts, denn auch die Pakt-Schulen müssen sich an die allgemeine Richtlinie und den QR-GTS halten; der grundsätzliche Entwicklungsweg ist für die Einzelschule also der gleiche. Allerdings gibt es im Rahmen des Pakts wesentlich mehr und engere Zusammenarbeit zwischen Land und Schulträger (in der Regel Landkreis oder kreisfreie Stadt), der auch seine Ressourcen zur Schulkindbetreuung unmittelbar einbringt. Dadurch ensteht erhöhter Abstimmungs- und Kooperationsbedarf, der schon bei der Konzeptentwicklung spürbar ist und berücksichtigt werden muss. Zudem werden in jeder „Paktregion“ Schulnetzwerke eingerichtet, in denen der regionale Erfahrungsaustausch gemeinsam mit Schulträger und Schulaufsicht des Landes erfolgt, so dass schulübergreifende Fragen regional bearbeitet werden können. Die Serviceagentur Hessen hat fest benannte Vertreter/-innen in diesen Netzwerken und damit erkennbare regionale Ansprechpartner auch für die einzelne Schule. Unterstützungsangebote können so zielgruppengerecht abgefragt und entwickelt werden. Hier liegen derzeit die Schwerpunkte auf den Bereichen Kooperation, Lern- und Übungszeiten und Berichtswesen.