Dilan Aytac: Man muss dranbleiben und endlich handeln

 

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Dilan Aytac, SV-Bildungswerk

Was nehmen Sie vom Transferforum in Halle mit?
Ich habe hier viele Eindrücke gewonnen und sehr verschiedene Perspektiven kennengelernt. Schulen sind zur Vorbereitung der Menschen auf das „richtige“ Leben da, sie sollen ein Spiegel der Gesellschaft sein. Ich finde es sehr wichtig, dass hier darüber gesprochen wird, wie Schule sich entwickeln muss, damit gemeinsames Lernen Spaß macht, effektiv ist und Menschen bildet, die selbständig denken können. Der Weg zur Ganztagsschule ist noch ein langer. Aber die Tatsache, dass es jetzt so viele Akteure aus den unterschiedlichsten Bereichen sind, die sich damit beschäftigen, stimmt mich optimistisch. Ich glaube, dass man dranbleiben und endlich handeln muss.

Worin sehen Sie die Chancen des Modells Ganztagsschule?
Ich glaube, dass heterogene Lerngruppen sehr effektiv sind. Sie machen Schluss mit der Einteilung in gute und schlechte Schüler, sie fördern eine gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung individueller Fähigkeiten. In heterogenen Gruppen kommen alle gemeinsam voran. Und das Modell Ganztag birgt die große Chance, solche Dinge umzusetzen.

Als Bildungswerk stehen wir für demokratische Schulentwicklung. Wir helfen Menschen dabei, sich zu entwickeln. Zum Beispiel bilden wir Schüler zwischen 14 und 16 Jahren zu SV-Beratern aus. Diese gehen an Schulen und informieren Schülersprecher über ihre Rechte und Gestaltungsmöglichkeiten. Wir vermitteln Wissen darüber, wie sie mit Schulleitern und in Gremien kommunizieren, wie sie den Schulalltag verändern können. So eine Schulgestaltung funktioniert an Ganztagsschulen besser, weil einfach mehr Raum da ist. An Ganztagsschulen hat man zu einem Lehrer einen leichteren Zugang, wenn man ihn nachmittags noch in der Mensa trifft und man ihn ansprechen kann. Dadurch, dass man den ganzen Tag in der Schule verbringt, hat jeder zudem ein viel größeres Interesse, sie für sich schön zu gestalten.

Gibt es auch Nachteile? Wer hat etwas gegen das Modell Ganztagsschule?
„Ich möchte mein Kind selber erziehen“, ist so ein Argument von Eltern, mit dem ich manchmal zu kämpfen habe. Auch das Vereinssystem, das in Deutschland sehr stark ist, argumentiert dagegen. Die Integration von Vereinen in die Schule ist deshalb eine wichtige Herausforderung, die noch bevorsteht.

Wie lautet Ihre Vision einer guten Schule?
Meine Vision ist eine Schule, die lebt, die sich also auch verändert. Eine Schule, die alle Akteure beteiligt,  in Entscheidungsprozesse, in die Gestaltung der Schule einbezieht, die interaktiv funktioniert. Die Menschen viel Input gibt, aber auch genügend Raum für Austausch.

Datum: 25.05.2011
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