Gesamtschule Kaiserplatz Krefeld

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Die Klingel haben sie abgeschafft, damit die Schüler beim Lernen nicht gestört werden. Die 1250 Schüler von der 5.-13. Klasse teilen sich 105 Lehrer, Köchin, PC-Fachfrau, Sporthelfer, Sekretärinnen und Fahrradwache. Es gibt sogar Personal für ein Selbstlernzentrum. Die Liste der außerschulischen Partner ist lang, sie reicht von Siemens und Kaufhof bis zum Gesundheits- und Arbeitsamt. Die Schüler übernehmen viel Verantwortung: In den beiden großen Pausen führen vier Schüler aus dem 9. und 10. Jahrgang den Saftladen. Andere betreuen in der Mittagspause die Spielausleihe, die Computerplätze und das Schülerlädchen, wo es alles, was man für den Unterricht braucht, zu kaufen gibt. Bei so viel Aktivität ist es kein Wunder, dass einige Schüler für Pausen plädieren, die fünf Minuten länger dauern. Außerdem wünschen sie sich abwechslungsreicheres Essen und mehr jahrgangsübergreifende Projekte. Musik spielt eine große Rolle in der Gesamtschule, es gibt sogar ein Kaiserplatzlied und ein Schulorchester.
 

Homepage der Schule - www.gekai.krefeld.schulen.net

 

Das Beteiligungsbeispiel

Einige Schüler in den unteren Klassen drohten trotz Förderkursen den Anschluss zu verlieren. Bei einer Sitzung der Schülervertreter hatte jemand die Idee, ihnen Nachhilfe zu geben. Um zu sehen, ob der Plan hält, was er verspricht, haben sie erst einmal in einem Fach und mit zwei Jahrgängen angefangen. So steht je ein Schüler aus der 11. Klasse einem Schüler aus der 5. Klasse als Lerncaoch in Englisch zur Seite. Eine Referendarin stellt Lernmaterial zur Verfügung. Obwohl der Förderkurs erst in der achten Stunde stattfindet, sind alle Beteiligten mit Freude dabei. Die Schulleitung ist stolz auf das Engagment der Schüler und sorgt dafür, dass die Schüler der 11. Klassen einen Zeugniseintrag über ihre Tätigkeit als Lernbegleiter erhalten. Nicht zuletzt erfordert das Projekt ganz schön viel organisatorischen Aufwand: Eltern müssen sich einverstanden erklären, Räume wollen geplant, Lerncoaches geschult und (Kopier-)Kosten geklärt werden. Glücklicherweise ist die Referendarin Nadine Couturier bereit, zu koordinieren. Wenn 11-Klässler ausfallen, übernimmt sie auch schon mal den Förderunterricht. "Dass es mir mit dem Sascha sehr viel Spaß macht und ich besser geworden bin", resümiert Fabian aus der fünften Klasse den bisherigen Projektverlauf. "Die 5er nehmen unsere Tipps gut auf und zeigen sich lernwillig. Da wir spielend lernen, ist es für die 5er und Lernchaoches eine angenehme und entspannte Zeit, die trotzdem effektiv ist", erklärt Petra aus der 11. Klasse. Nadine Couturier hat bemerkt, dass sich auch die älteren Schüler durch die Förderkurse verbessern. Sie lernen Präsentieren und denken über innovative Lernmethoden nach. Überhaupt gehört es für die Gesamtschüler am Kaiserplatz dazu, immer wieder darüber nachzudenken, wie ihr Projekt noch besser laufen könnte. Durch die Lernpatenschaften hat sich auch das soziale Klima in der Schule verbessert, da Schüler unterschiedlicher Jahrgänge einander kennen gelernt haben und sich in den Pausen austauschen. In Zukunft wollen die Schüler den Förderunterricht auf andere Fächer ausweiten und ein Schüler-helfen-Schüler Lerncoach-Büro auf die Beine stellen.

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Tipps für Nachahmer

Ihr Tipp: Vorher die Rahmenbedingungen klären! Sie haben sogar Verträge geschlossen, in denen sich die Teilnehmer am Projekt zu bestimmten Dingen verpflichten, zum Beispiel regelmäßig die Förderstunden wahrzunehmen. Außerdem war es sehr wichtig, dass sie Lernmaterial zur Verfügung hatten. Zusammen mit der Examensarbeit, die Nadine Couturier über das Projekt geschrieben hat, stellen sie es gern anderen Schulen zur Verfügung.

 

Datum: 21.05.2008
Text: Christine Plaß
© www.ganztaegig-lernen.de