Großer Zirkus an der Ganztagsschule

Wie Schulen und Kooperationspartner gemeinsam lernen im Themenatelier „Kulturelle Bildung an Ganztagsschulen“

Von Thomas Busch

Mit der Entwicklung zur Ganztagsschule öffnen sich viele Schulen hinein in den Sozialraum und wagen zunehmend die Kooperation mit außerschulischen Partnern aus Jugendhilfe, Schulsozialarbeit, Sportvereinen, aber auch mit Partnern in der kulturellen Bildung.

Kooperationen zwischen Schulen und Partnern aus dem jeweiligen Sozialraum werden vielerorts als Schlüssel dazu gesehen, die Handlungs- und Lernmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen zu erweitern und bestehende institutionell bedingte Trennungen ihrer Lebenswelt zu überwinden. Dazu müssen künftige Kooperationspartner eine tragfähige Kommunikationsbasis finden, Vertrauen gewinnen und Mut für eine längerfristige Bindung zwischen Institutionen und Personen entwickeln. Nach einer Studie des Deutschen Jugendinstitutes arbeiten bereits 75 Prozent der deutschen Schulen mit Kooperationspartnern. Auch in der kulturellen Bildung sind Kooperationsprojekte an Ganztagsschulen en vogue. Dennoch sind integrative, von den Partnern ausgehandelte Konzepte einer kulturellen Bildung im Sozialraum kaum zu finden: Viele Kooperationsprojekte stellen nichts weiter dar als das Sahnehäubchen auf dem Unterrichtskuchen.

Die Aktionsfelder kultureller Bildung reichen weit über die Schulfächer Musik, Kunst und Darstellendes Spiel hinaus und umfassen mindestens auch die Bereiche Tanz, Literatur, Architektur, Neue Medien und die Kooperation mit Museen. Die Zahl der möglichen Kooperationspartner von Ganztagsschulen in der kulturellen Bildung ist hoch und ihre Heterogenität groß: Staatliche und städtische Kultureinrichtungen mit ihren pädagogischen Abteilungen stehen neben kulturpädagogischen Einrichtungen wie Musik- oder Jugendkunstschulen, Zusammenschlüsse von Künstlern in Vereinen oder Initiativen neben Einzelkünstlern, die Angebote an Schulen machen. Auch kommerziell gewerbliche Anbieter wie Tanzschulen oder Kinos können Partner von Ganztagsschulen sein.  In der Sozialpädagogik leisten Sozialpädagogen und Schulsozialarbeiter wertvolle Beiträge zur kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen.

Das Elternhaus spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle. In der kulturellen Bildung ist die gesellschaftliche Teilhabe von Kindern und Jugendlichen in noch stärkerem Maße abhängig vom Bildungshintergrund der Eltern als im Bereich mathematisch-naturwissenschaftlichen Lernens: Vor allem Kinder, deren Eltern kreative Tätigkeiten ausgeübt haben, sind künstlerisch aktiv. Schließlich sind Schülerinnen und Schüler selbst Partner von Schule: In der veränderten Lernkultur der Ganztagsschule können sie als Mentoren und Peer-Trainer eigene Angebote für andere Schüler im Bereich der kulturellen Bildung machen.

Die Qualitätskriterien für gute langfristige und nachhaltige Kooperationen an Ganztagsschulen sind noch nicht bis ins Detail ausformuliert. Auch stellt der Aufbau von Kooperationsbeziehungen für die beteiligten Schulen und ihre außerschulischen Partner oftmals eine nicht unerhebliche
Herausforderung dar. Neben der durch die Aushandlung der Kooperation anfangs entstehenden zeitlichen Mehrbelastung operieren die potenziellen Partner nicht selten nach unterschiedlichen Handlungslogiken, und der Prozess der Verständigung auf gemeinsame Bildungsziele für die Kinder und Jugendlichen ist langwierig.

Um Partnern der kulturellen Bildung beim Aufbau langfristiger und nachhaltiger Kooperationen an Ganztagsschulen zu helfen und deren Projekte als gute Beispiele aufzuarbeiten und zur Verfügung zu stellen, hat die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung im Jahr 2005, gefördert von der PwCStiftung „Jugend – Bildung – Zukunft“, das Themenatelier „Kulturelle Bildung an Ganztagsschulen“ ins Leben gerufen.

Aus der Broschüre

 
Großer Zirkus in der Ganztagsschule
Wie Schulen und ihre Partner im Themenatelier „Kulturelle Bildung an Ganztagsschulen" kooperieren lernen

Die Dokumentation zum Themenatelier "Kulturelle Bildung" können Sie hier bestellen oder als pdf herunterladen